Epilog + Literatur

2.3.2026: Empfindsame Rückschläge für den Klimaschutz

Im Februar 2026 gab es leider zwei herbe, äußerst bedauerliche Rückschläge für den weltweiten Klimaschutz.

Auf den Druck von US-Präsident Donald Trump hob die amerikanische Umweltbehörde Environmental Protection Agency (EPA) die seit 2009 geltende "Gefährdungsfeststellung" (endangerment finding) auf. Diese Verordnung stellte klar, dass die sechs wichtigsten Treibhausgase, darunter CO2, die öffentliche Gesundheit und das Wohlergehen der US-Bevölkerung gefährden. Nachdem die Trump-Regierung diese Klimaschutz-Grundlage gekippt hat, fehlt die juristische Basis für zahlreiche US-Klimaschutzregeln, nicht nur bei Fahrzeugen, sondern auch bei Kraftwerken, Öl- und Gasanlagen und der Industrie. Trump sieht über die realen Kosten und Folgen der Klimakrise in seinem Land hinweg: Seit 2010 haben nach Angaben der Klimabehörde NOAA, selbst Ziel von Trumps Maßnahmen, allein die Extremwetter in den USA Schäden von rund 1.600 Mrd. € verursacht und über 7.700 Menschen das Leben gekostet. Amerikanische Autohersteller und ihre Branchen- und Lobbyverbände begrüßten natürlich die Maßnahme, aber Umwelt- und Gesundheitsorganisationen haben noch im Februar 2026 dagegen Klage eingereicht. Sollte der Streit vor dem Supreme Court  landen, könnte er sich über viele Jahre hinziehen. Für den US-Klimaschutz wäre diese Zeit mehr oder weniger verloren. Noch schlimmer ist freilich, dass auch andere Regierungen dem Beispiel der USA folgen und ihren Klimaschutz infrage stellen bzw. vernachlässigen könnten.

 

Leider zählt neuerdings auch Deutschland zu den Nationen, in denen der Klimaschutz nur noch eine untergeordnete Rolle spielt, auch wenn die Politik sich bemüht, dies anders darzustellen. Ende Februar 2026 wurde beispielsweise ein Eckpunkteprogramm der aus Union und SPD bestehenden Merz-Regierung bekannt. Nach diesem soll die bisherige  65 %-Regel, nach der jede neu eingebaute Heizung mit 65 % erneuerbaren Energien betrieben werden soll, gekippt werden. Stattdessen dürfen klimaschädliche Öl- und Gasheizungen viel länger als bisher vorgesehen weiterlaufen und sogar neu eingebaut werden - und dies über 2045 hinaus. Zur Erinnerung: 2045 möchte Deutschland klimaneutral sein. Allerdings müssen Öl- und Gasheizungen nach den Planungen, die noch in Gesetztexten ausformuliert werden müssen,  mit einem wachsenden Anteil klimafreundlicher Brennstoffe, wie Biomethan oder Wasserstoff, betrieben werden. Dieser Anteil soll 2029 mit 10 % beginnen. Völlig offen ist derzeit allerdings, ob diese Stoffe jemals in ausreichender Menge zur Verfügung stehen werden. Auch die CO2-Einsparungszahlen geben eine deutliche Warnung: Mit der bisherigen 65%-Regel hätten im deutschen Gebäudesektor bis 2030 rund 30 Mio. t CO2 eingespart werden können, davon allein 10 Mio. t im Jahr 2030, mit den neuen Eckpunkten ("Gebäude-Modernisierungsgesetz") werden es aber im Jahr 2030 allenfalls noch rund 2 Mio. t CO2 sein. Sollte die Regierungsvorlage in ihrer jetzigen Form  im Sommer 2026 tatsächlich bindendes Gesetz werden, kann sich die fossile Industrie über ein enormes Geschenk freuen. Eindeutiger Verlierer dagegen ist der Klimaschutz.

 

2.12.2025: Rückblick auf die Weltklimakonferenz COP30 in Belém vom 10. zum 22.11.2025 
„Zehn Jahre nach Paris wurde die COP30 als Gipfel der ,Wahrheit und Umsetzung‘ ausgerufen. Wissenschaftlich gesehen wäre das genau richtig gewesen. Doch die in Belém versammelten Staats- und Regierungschefs sind dieser Aufgabe nicht gerecht geworden. Die ,Wahrheit‘ ist: Unsere einzige Chance, 1,5 °C in Reichweite zu halten, besteht darin, die globale Emissionskurve 2026 zu brechen und die Emissionen anschließend jedes Jahr um mindestens 5 Prozent zu senken. ,Umsetzung‘ hätte konkrete Fahrpläne für den beschleunigten Ausstieg aus fossilen Energien und für den Schutz der Natur erfordert. Beides blieb aus, und das trotz einer engagierten, wissenschaftsorientierten und umsichtig agierenden brasilianischen Präsidentschaft. Falsche Hoffnung ist das Letzte, was die Welt in dieser Phase hoher Risiken braucht. In nur fünf bis zehn Jahren werden wir voraussichtlich die 1,5°C-Grenze überschreiten mit gravierenden Folgen für Milliarden Menschen, die unter zunehmenden Wetterextremen leiden, und mit Blick auf mögliche Kipppunkte, etwa im Amazonas oder in den tropischen Korallenriffen. Leider setzt die COP30 die Entwicklung der vergangenen Jahre fort und nährt erneut falsche Hoffnungen. Was wir brauchen, ist echte Umsetzung: ein glaubwürdiger Plan mit wirksamen Politiken und Regulierungen, beginnend mit einem beschleunigten, geordneten und gerechten Ausstieg aus fossilen Energien. Das wäre echte Hoffnung.“

 

Obige Zeilen über die am 22. November 2025 mit diesmal nur rund 50.000 Teilnehmern aus fast 200 Ländern (die USA entsandten keine Delegierten) zu Ende gegangene  30. Weltklimakonferenz stammen von Johan Rockström, Erdsystem-Wissenschaftler und einer der beiden Direktoren des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK-Medienhinweis vom 22.11.2025). Nicht nur bei ihm überwog die Enttäuschung über die Ergebnisse der COP30, sondern auch bei fast allen Klimawissenschaftlern, nicht staatlichen Organisationen, der Politik und der am Klima interessierten Bevölkerung. Die zentralen Themen der zweiwöchigen Verhandlungen waren die Einhaltung der Langzeit-1,5 °C-Grenze, die Umsetzung nationaler Klimapläne, ein besserer Schutz der Regenwälder, die Klimafinanzierung und eine stärkere Zusammenarbeit bei der Klimaanpassung. Einer vergleichsweise kleinen Gruppe von Ländern, China, Indien, Russland, Saudi-Arabien, war es gelungen, den von mindestens 80 anderen Staaten geforderten Ausstieg aus dem fossilen Zeitalter zu blockieren. Dass die Welt von fossilen Brennstoffen abkehren muss, wurde schon auf der COP28 beschlossen. Seitdem steht dafür das Kürzel TAFF für Transitioning Away From Fossil Fuels. Außerdem kam es auch diesmal nicht zur Entscheidung, wieviel Geld die reichen Staaten den ärmeren zur Verfügung stellen, die nur wenig zur weltweiten Emission von Treibhausgasen beitragen, jedoch unter den Folgen des Klimawandels am meisten leiden. So fielen die Beschlüsse der COP30 enttäuschend schwach aus, vor allem, weil im lange verhandelten Abschlusstext jegliche Hinweise auf einen Ausstieg von Kohle, Öl und Gas fehlten. So mehren sich Zweifel daran, ob der gewaltige Aufwand, die Kosten für die Planung, Vorbereitung und Durchführung der jährlichen UN-Weltklimakonferenzen und die immensen Treibhausgasemissionen allein durch die Flüge der zahlreichen Delegierten gerechtfertigt sind. Doch ohne diese Groß-Veranstaltungen würden die Gegner von Maßnahmen zur Reduzierung der globalen Treibhausgase und die Klimawandel-Skeptiker und -Leugner noch mehr an Einfluss gewinnen wie sie heute schon haben.

 

Schlecht sieht es trotz aller Diskussionen in Belém weiterhin mit dem Waldschutz auf Staatenebene aus. Schon auf der Weltklimakonferenz 2021 in Glasgow hatten sich über 140 Länder verpflichtet, die globale Waldzerstörung bis 2030 zu stoppen. So wurde zuletzt im Jahr 2024  international über 8 Mio. Hektar Wald vernichtet, was 90 Mal der Fläche von Berlin entspricht. Nahezu ergebnislos wurde auf der COP30 über Möglichkeiten und einem Fahrplan gerungen, diesem Ziel näherzukommen. Dazu kommt, dass auch anderswo wenig zum Schutz von Wäldern getan wird. So verschob der EU-Ministerrat im Herbst 2025 die europäische Entwaldungsverordnung, die ab Dezember 2025 gelten sollte, um ein volles Jahr. Nach dieser Verordnung sollten nicht nur Holz, sondern auch Produkte wie Kaffee, Soja, Kakao und Palmöl nur dann noch in der EU verkauft werden, wenn dafür nach 2020 keine Wälder gerodet wurden. Vor allem für kleinere Betriebe bedeutet der entsprechende Nachweis mehr Bürokratie, was der Hauptgrund für die Verschiebung der Verordnung seine dürfte. Doch die Folgen der Waldzerstörung für Umwelt und Klima erfordern logischerweise mehr Kontrolle - trotz aller gleichzeitigen Entbürokratisierungs-Bemühungen (DER SPIEGEL, Newsletter vom 21.11.2025).

 

In Belém wurde unter anderem ein Ranking der Klimaschutzbemühungen 2026 (Climate Change Performance Index) vorgestellt, erarbeitet von der Organisation Germanwatch e.V. Es umfasst 63 Länder und die EU, die zusammen über 90 % der globalen Treibhausgas-Emissionen abdecken. Am besten schneiden die Länder Dänemark, England, Marokko und Chile ab. Sie sind ein Beispiel dafür, wie durch kohärente Politik, Innovationen und gesellschaftliches Engagement Emissions-Reduzierungen schneller als erwartet eintreten können. Die EU landet im Mittelfeld, wobei 10 ihrer Staaten mit "schlecht" abschneiden. Deutschland ist in dieser Liste mit seiner bisher schwächsten Platzierung seit Jahren, nämlich auf Platz 22, vertreten. Am Ende der Liste stehen die USA, Saudi-Arabien und der Iran.

 

Die nächste Weltklimakonferenz, die COP31, wird vom 9. bis 20. Oktober 2026 im türkischen Antalya stattfinden (mit organisatorischer Beteiligung von Australien).  

 

 

8.11.2025 (mit mehreren Aktualisierungen bis  einschließlich 31.12.2025)

Obwohl die Klimakrise vielen Menschen Angst macht und ihnen angesichts der vielen Bedrohungen der Klimaschutz wichtig erscheint, reagieren sie auf diese nur träge und abwartend oder gar nicht. Dies mag damit zusammenhängen, dass andere Krisen auf dieser Welt die Klimakrise in den Hintergrund drängen: Der Mensch, für den der Klimawandel offensichtlich immer noch schwer greifbar und in weiter Ferne zu liegen scheint ist, hält eben nur ein bestimmtes Maß an Krisen aus. Die Medien und die Politik zeigen außerdem oft ein klimaschädliches Verhalten. Die Medien deswegen, weil sie zwar häufig über neue Studien zu den Folgen des Klimawandels berichten, aber viel zu wenig begründen, warum klimafreundliche Maßnahmen  jetzt und nicht erst in 10 oder 20 Jahren dringend nötig sind. Die Politik deswegen, weil sie zur Beruhigung der Bevölkerung zwar regelmäßig Maßnahmen gegen eine weitere Erderwärmung ankündigt, diese dann aber nur sehr selten in konkrete Maßnahmen umsetzt, um Jahre verzögert, verwässert oder sogar ganz zurücknimmt.

Nachfolgend einige Anmerkungen über den aktuellen Stand des Klimaschutzes in den USA, in der EU und in Deutschland seit Amtsaufnahme der neuen Regierungskoalition.

 

US-Präsident Donald Trump - weltweit der Klimaleugner Nr. 1 

Der amerikanische Präsident Donald Trump ist eigentlich mehr als ein Klimawandel-Leugner, denn er verbreitet trotz internationaler Fachkompetenz und Konsens der allermeisten Klimawissenschaftler bewusst Lügen und absurde Falschaussagen. Dadurch verunsichert er nicht nur die Weltöffentlichkeit, sondern auch die Politik. Schon in seinem Wahlkampf im Jahr 2024 trat er mit "drill baby, drill" für mehr Bohrungen nach den fossilen Brennstoffen Erdöl, Erdgas und LNG ein und verdammte Windkraftanlagen. Am ersten Tag seiner zweiten Amtszeit, am 20.1.2025, unterzeichnete er ein Dekret, nach dem die USA aus dem Pariser Klimaabkommen von 2015 aussteigen wird. Dies hatte er schon in seiner ersten Amtszeit getan, doch sein Nachfolger Joe Biden machte den Austritt damals wieder rückgängig. Wie ernst es Trump meint, zeigte er bei seiner verstörenden und undiplomatischen Rede bei der 80. UN-Generaldebatte am 23.9.2025 in New York. Der Klimawandel sei der weltweit größte Betrug aller Zeiten, die erneuerbaren Energien seien ein Witz, es werde nicht wärmer, sondern kälter, die Maßeinheit des individuellen CO2-Fußabdrucks ist "eine Lüge, die von Menschen mit bösen Absichten erfunden wurde", er lobte die "saubere, wunderbare Kohle" und beendete seine Rede mit "ihr zerstört euer Erbe". Man wüsste gerne, was in den Köpfen der zahlreichen Zuhörer vorging und kann sich nur wundern, warum sie nicht reihenweise den Saal verließen. Wie stark er kompromisslos Druck einsetzt, zeigte seine Zoll-Verhandlung mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am 27.7.2025 im schottischen Turnberry, Entweder, so sagte Trump dort, kauft die EU Energie den USA im Wert von 750 Mrd. US-$ ab und investiert in die USA zusätzlich 600 Mrd. US-$, oder es drohen hohe Strafzölle. Bezeichnend im September 2025 die lächerliche Anordnung des US-Energieministeriums an seine Abteilung für erneuerbare Energien, das Wort "Klimawandel" nicht mehr zu verwenden. Trump will die sterbende Kohleindustrie in den USA wiederbeleben und stellt für diesen Zweck 5,3 Mio. ha bundeseigenes Land und 625 Mio. US-$ für den Kohleabbau bereit. Außerdem hat er die Lizenzgebühr für den US-Kohlebergbau von bisher 12,5 % auf 7 % reduziert.

Gespannt darf man wohl verfolgen, wie sich durch die lächerliche Einstellung von Donald Trump künftig die Treibhausgas-Emissionen des Landes erhöhen werden. 2024 emittieren die USA insgesamt 5.913 Mio. t CO2e, immerhin 17 % weniger als 2005 (EDGAR, 2025). Dieser Trend dürfte sich kaum fortsetzen.

 

Wankelmütige EU: Mehrfache Aufweichung von Klimazielen

Die EU hatte früh erkannt, wie wichtig der Klimaschutz durch Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen ist. Laut Klimaschutzgesetz will der Kontinent bis 2050 klimaneutral sein. Als Zwischenziel sollen die Emissionen bis 2030 um 55% gegenüber 1990 gesenkt werden. Zuletzt hatte die EU ihre Emissionen von 2023 auf 2024 aber nur um 2 % reduziert. Gegenüber 1990 sind sie um 35 % niedriger als 1990, so dass sie bis 2030 um 20 % abnehmen müssten. Ohne weitere Anstrengungen wird dieses Ziel nicht erreicht werden können, was das Endziel einer Klimaneutralität bis 2050 fraglich erscheinen lässt. Die EU strebt an, die Treibhausgas-Emissionen bis 2040 um 90 % im Vergleich zum Ausstoß 1990 zu senken. Aber: Bis zu 5 % können über internationale CO2-Zertifikate ausgeglichen werden, wodurch de facto lediglich ein 85 %-Ziel entsteht. Dies ist nicht lausreichend, ganz angesehen davon, dass viele Projekte hinter den Auslandszertifikaten keine verlässlichen Einsparungen liefern, sondern mehr oder weniger nur Emissionen auf dem Papier verschieben.

Zusätzlich weicht die EU ihr Klimaziel nach einem Beschluss von Dezember 2025 weiter auf, in dem sie Brenn- und Kraftstoffe erst ab 2028 und damit ein Jahr später als bisher vorgesehen in das Handelssystem mit Treibhausgas-Zertifikaten einbeziehen will.

Noch im Frühjahr 2025  hielt die EU-Kommission an ihren Zielen fest, die gesetzlich festgelegten CO2-Grenzwerte für PKWs und leichte Nutzfahrzeuge einzuhalten und ab 2035 nur noch neue Fahrzeuge ohne Verbrennungsmotoren zuzulassen. Doch im Mai gab die EU dem massiven Druck der Automobilindustrie und ihrer Lobby-Institutionen nach und stimmte einer Lockerung der Grenzwerte zu. Demnach haben die Hersteller jetzt drei Jahre mehr Zeit, die Flottengrenzwerte einzuhalten.  Dies erspart den Unternehmen zwar drohende Strafzahlungen, doch die Folgen für das Klima sind fatal. Man schätzt, dass durch den Aufschub bis zu 50 Mio. t CO2 zusätzlich in die Atmosphäre gelangen könnten, so viel wie beispielsweise Portugal in einem Jahr ausstößt. Auch das Verbrenner-Aus ab 2035 wackelt durch den Druck von Herstellern, Lobby und Politik, vor allem durch die Europäische Volkspartei EVP. Sie  fordert, nicht ausschließlich auf E-Fahrzeuge zu setzen, sondern auch synthetische Kraftstoffe mit Eigenschaften ähnlich Benzin und Diesel für Verbrennungsmotoren zuzulassen. Mitte Dezember 2025 gab die EU bekannt, dass für KFZ-Neuzulassungen ab 2035 statt 100 % nur noch eine 90 %-ige Reduktion des CO2-Ausstoßes für die Flottenziele der Autohersteller verpflichtend werden soll. Niemand ist damit so recht zufrieden: Käufer von E-Autos ärgern sich womöglich, weil sie ihr Fahrzeug zu früh erworben haben, die europäischen Hersteller, die in den letzten Jahren verstärkt auf E-Autos gesetzt haben, müssen nun wieder ihre Benzin- und Dieselfahrzeuglinien hochfahren, und die Klima-Wissenschaftler sind über die Verwässerung der ohnehin ungenügenden Klimaziele sehr enttäuscht.

 

Noch in einem weiteren Punkt zeigt die EU keine konsequente Haltung in Sachen Klimaschutz. Im Februar 2025 lief die Frist ab, innerhalb der die 197 Vertragsstaaten des Pariser Klimaabkommens angeben sollten, wie stark ihre nationalen Emissionen bis 2035 sinken sollen. Nur 13 der 197 Länder hatten zu diesem Zeitpunkt  ihre neuen Klimaziele eingereicht. Die EU ließ diesen Termin ebenso verstreichen wie beispielsweise die Emissions-Schwerpunktländer China, Indien oder Russland. Bedingung für die Einigung im Zollstreit zwischen der EU und den USA war das Zugeständnis von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, aus den USA Energieimporte (LNG, Öl, Kernbrennstoffe) im Wert von 750 Mrd. US-$ innerhalb der kommenden drei Jahre zu beziehen (siehe oben). Diese Vereinbarung hat für scharfe Kritik gesorgt. Sie hat enorme negative klimapolitische Folgen, ist doch beispielsweise das durch Fracking gewonnene LNG sogar noch klimaschädlicher als Kohle. Das Geld für die überwiegend fossilen Rohstoffe aus den USA fehlt der EU für die dringend vorgesehenen Investitionen in die grüne Transformation. Ein enorm hoher Preis für die (vorerst ?) vermiedene Eskalation durch US-Strafzölle. 

Am meisten verwundert hat mich Mitte August 2025 die Nachricht, dass die EU nicht nur Flüssigerdgas (LNG) aus den USA kauft, sondern auch  aus Russland - das mit dem Gewinn seine Kriegskasse füllt. Allein in der ersten Hälfte des Jahres 2025 importierte die EU russisches LNG im Wert von  4,5 Mrd. €, etwa 1 Mrd.€ mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Abgesehen von der schädlichen Klimaauswirkung von LNG verwundert es, dass die EU die Abnahme russischen Öls und Kohle sanktioniert hat, diese Restriktionen aber lange Zeit nicht für LNG gelten. Immerhin einigten sich die EU-Staaten und das Europäische Parlament in den ersten Dezembertagen 2025 über einen Ausstieg aus russischem Gas bis zum Jahr 2027. Bis Ende 2027 will die EU vollkommen unabhängig von russischem Erdgas sein. Ein Verbot für den Import von russischem LNG soll schon ab Januar 2027 gelten.

Ein weiteres Beispiel für die nachlassende Bereitschaft der EU, ambitionierte Maßnahmen gegen die Erderwärmung zu verabschieden und zu fördern, war die kontroverse und lange Konferenz der 27 europäischen Umweltminister am 4. und 5.11.2025, wenige Tage vor Beginn des Weltklimagipfels COP30 im brasilianischen Belém. Es ging um die noch fehlenden europäischen Klimaziele für 2040 - für 2030 und 2050 hat die EU bereits Klimaziele. Bisher wollte die EU ihre Emissionen auf eigenem Boden bis 2040 um 90 % im Vergleich zu 1990 senken, jetzt sind es durch den Widerstand von Ländern wie Frankreich, Polen und Tschechien effektiv nur noch 85 %. Die Differenz von 5 % könnten die Mitgliedsstaaten durch den Kauf von Klimazertifikaten in Drittstaaten ausgleichen. Nicht wenige Beobachter bezeichnen dies angesichts einer oft fehlenden oder fragwürdigen Klimawirksamkeit ausländischer Klimaschutzmaßnahmen als Kuhhandel.  Denn der Handel insbesondere mit CO2-Zertifikaten kann missbraucht werden, wenn Unternehmen sich beispielsweise mit zweifelhaften Projekten "freikaufen". Zudem soll der Start des neuen Emissionshandels ETS2 für Verkehr und Gebäude von 2027 auf 2028 verschoben werden. Der Gipfel der Klima-Wankelmütigkeit der EU ist, dass alle zwei Jahre geprüft werden soll, ob das 2040er-Ziel noch mit Europas Wettbewerbsfähigkeit vereinbar ist. Der Vorwand, der Wirtschaft nicht zu schaden,  stellt ein ideales Schlupfloch für noch weiter aufgeweichte Klimaziele dar. Den Klimaplan wird die EU bei der am 11.11.2025 beginnenden COP30 der UN in Belém einreichen. Man darf auf das Ergebnis gespannt sein.

 

Klimaschutz in Deutschland, bei der neuen rot-schwarzen Regierung nur noch unter ferner liefen

Der deutsche Klimaschutz läuft in letzter Zeit sehr zäh. Zwar wurden die Treibhausgase in allen Emissions-Sektoren von 1990 bis Ende 2024 um 45 %  und zuletzt von 2023 auf 2024 um 2 % reduziert, doch bezogen auf die Einwohnerzahl schneidet Deutschland im Jahr 2024 mit 8,2 t CO2e/Kopf pro Jahr schlechter ab als die EU mit 7,1 t CO2e/Kopf und Jahr. Enttäuschender ist allerdings, dass sich seit Beginn der Merz-Regierung die Anzeichen mehren, dass das Klima nur noch als Thema zweiter Klasse behandelt wird und wirtschaftliche Entlastung deutlich Vorrang hat. Einige Beispiele: Während die Anschaffung eines privaten E-Autos nur noch durch die KFZ-Steuerbefreiung, die Mitte Oktober 2025 bis 2035 verlängert wurde, subventioniert wird, wurde die steuerliche Förderung von geschäftlichen, bis zu 100.000 € teuren Luxus-Elektrofahrzeugen erweitert. Plug-in-Verbrennerfahrzeuge werden weiter subventioniert, obwohl feststeht, dass diese Fahrzeuge die Besitzer hauptsächlich im Verbrennermodus und daher nicht klimaschonend elektrisch fahren. Zweites Beispiel: Die Koalition hat sich nach harten Verhandlungen entschieden, sich bei der EU dafür einzusetzen, auch noch "nach 2035 Plug-in-Hybride und hocheffiziente Verbrenner" zuzulassen, was immer auch "hocheffiziente Verbrenner" sind (jeder Hersteller wird seine Benzin- und Diesel-Fahrzeuge als hocheffizient bezeichnen). Die deutsche Bevölkerung sieht den Klimaschutz mittlerweile ebenfalls als nachrangig an. Auf die Frage des Meinungsforschungs-Institutes Civey von Ende Dezember 2025 "Sollte die Bundesregierung Ihrer Meinung nach strengere Klimaschutzmaßnahmen beschließen, um das Ziel der Klimaneutralität 2045 zu erreichen" antworteten nur 34,0 % der 5.000 Befragten mit "Ja, auf jeden Fall" (28,5 %) bzw. mit "Eher ja" (5,5 %), während  mit 58,8 % die Mehrheit die Frage mit "Nein, auf keinen Fall" (48,6 %) bzw. "Eher nein" (10,2 %) verneinte. 

All diese Entwicklungen deuten darauf hin, dass es der jetzigen Bundesregierung kaum gelingen wird, die im Koalitionsvertrag für 2045 angekündigte Klimaneutralität in Deutschland zu erreichen.

 

Die CDU/CSU/SPD-Koalition plant den Neubau von etwa 40 größeren Gaskraftwerken mit einer Gesamtleistung von 20 GW und erhöht dadurch ihre gefährliche Abhängigkeit von fossilem Fracking-Gas aus den USA, Russland (!) und anderen Quellenländern. Im März 2025 hat die Regierung beschlossen, die nationalen Klimaschutzmaßnahmen mit  100 Mrd. € (verteilt auf 12 Jahre) zu fördern. Diese Summe fließt in den Klima- und Transformationsfond (KTF). Doch anstatt aus diesem Topf beispielsweise den Umstieg auf die  Wasserstoffwirtschaft zumindest im Industriebereich zu fördern, endlich das Klimageld für Haushalte umzusetzen oder für die im Koalitionsvertrag angekündigte starke Stromverbilligung zu sorgen, finanziert sie ausgerechnet die Erdgas-Speicherung für neue Gaskraftwerke. Als ob dies nicht schon genug ist, möchte die Regierung die ihr auferlegten Strafzahlungen für nicht erreichte EU-Klimaziele aus dem KTF  finanzieren anstatt das Geld zentral für das Erreichen der deutschen Klimaziele zu verwenden. Schlimmer noch, ab 2026  sollen über 3 Mrd. € für die Subventionierung von fossilem Gas aus dem KTF fließen. Weitere KFT-Gelder werden für verschiedene andere Haushaltszwecke zweckentfremdet. Es fehlen nach wie vor große Stromspeicher und Elektrolyseure für die künftige Wasserstofferzeugung; Stromnetze und wasserstofffähige Leitungen werden nicht weiter ausgebaut. Vermehrt wird von Politikern vorgeschlagen, das deutsche Klimaziel - u.a. das Ende von Öl, Gas und Kohle - mit Blick auf die Arbeitsplätze abzuschwächen. Im November 2025 beschloss die Merz-Regierung zum 1.7.2026 eine Absenkung der Ticketsteuer im Luftverkehr. Dies brachte der Regierung scharfe Kritik von all jenen ein, die sich um den Klimaschutz Sorgen machen.  Denn damit dürfte noch mehr geflogen werden wie bisher und noch mehr Treibhausgase ausgestoßen werden - ein klares Zeichen dafür, dass in Deutschland wirtschaftliche Gründe dem Klimaschutz den Rang abgelaufen haben.

Es ist deprimierend, dass Politiker, wie auch der neue Bundeskanzler Friedrich Merz, und maßgebende Wirtschaftsführer zielführende Maßnahmen gegen den Klimawandel verzögern und das Problem klein reden, etwa mit der Aussage, es sei ausreichend, wenn Deutschland bis 2045 nicht 100 %, sondern nur zu 80% klimaneutral werde. Noch schlimmer ist, dass sich Firmen und Unternehmen aus Klimaschutzprojekten zurückziehen oder ihre früheren Klimaziele torpedieren. 

 

  

Anfang März 2025

Die nachfolgenden drei Absätze dieses "Epilogs" entstanden ungefähr drei Jahre, nachdem ich die Entwürfe zu den ersten Kapiteln dieser Website während eines Reha-Aufenthaltes "zu Papier" gebracht hatte. Damals, im Frühjahr 2022,  galt der Klimawandel aus meiner Sicht als das weltweit wichtigste Thema. Die Hoffnung war groß, dass das nationale Klimaziel, bis zum Jahr 2030 65 % weniger Klimagase im Vergleich zu 1990 auszustoßen, in Reichweite sein dürfte. Auch das internationale Pariser Klimaziel, die globale Erderwärmung möglichst auf 1,5 °C, mindestens aber auf 2,0 °C zu begrenzen, erschien nicht unerfüllbar. Doch es kam anders. Angesichts der vielen, vermeintlich dringenderen Probleme  - Corona-Pandemie, Wirtschaftsflaute, Sicherheit, Teuerung, Zuwanderung, Angst vor Altersarmut, Wohnungsknappheit, Hunger, Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten - ist das Klima sowohl in der Politik als auch in der Bevölkerung  ziemlich weit in den Hintergrund gerückt. Im deutschen Wahlkampf zur vorgezogenen Bundestagswahl während der ersten Wochen des Jahres 2025 war der Klimaschutz in der Tat kaum noch ein Thema. Über die Hälfte der Befragten sprachen sich laut einer kürzlichen Civey-Umfrage vom 11./12.2.2025 gegen strengere Klimaschutz-Maßnahmen in Deutschland aus, um die nationalen Klimaziele für 2030 doch noch zu erreichen (Hinweis: Für Ernüchterung sorgte kürzlich, dass nur 13 der 195 Staaten, die das Pariser Klimaabkommen unterzeichneten, gemäß Vereinbarung nachgebesserte nationale CO2-Pläne einreichten). Offensichtlich will man trotz ständiger Appelle von besorgten Klimawissenschaftlern von der Notwendigkeit, alle Anstrengungen zu unternehmen, um den Klimawandel wirksam zu begrenzen, nichts wissen. Ein drastisches Beispiel sind die USA, wo der neu gewählte Präsident Donald Trump gleich am ersten Arbeitstag ein Dekret zum Austritt aus dem Pariser Komaabkommen unterzeichnete - ein radikales und unverantwortliches Vorgehen! Gleichzeitig kündigte er an, die Förderung der klimaschädlichen fossilen Stoffe Kohle, Gas und Öl und den internationalen Handel damit zu intensivieren und noch mehr Fracking-Gas zu erzeugen und es z.B. als LNG weltweit zu vermarkten. Sieht man sich  die Entwicklung der Treibhausgas-Emissionen der vier emissionsstärksten Länder (China, USA, Indien, Russland) der letzten Jahren an, stiegen sie in Indien und Russland, während sie in den USA durch die Klimaschutz-Maßnahmen der Biden-Präsidentschaft immerhin um 1 %  zurückgingen. Dies wird jedoch mit der Amtsübernahme durch Donald Trump und seinem Credo "Gewinne und Reichtum geht vor Klimaschutz" Geschichte sein. Man muss außerdem befürchten, dass das neue US-Vorgehen auch bei anderen Ländern Schule macht. Dass es anders geht, zeigt die EU27: Durch entsprechende Maßnahmen  gingen die Treibhausgas-Emissionen in Europa deutlich zurück, innerhalb nur eines Jahres, von 2022 auf 2023, um 7 % und von 2005 bis 2023 um 29 % (EDGAR, 2024). 

 

Der Klimawandel wird keinesfalls warten. Ihn zu ignorieren oder nur halbherzige Alibi-Absichtserklärungen zu verkünden, ist ein großer Fehler. Denn je länger die Weltbevölkerung zu wenig gegen die Erderwärmung tut, desto größer werden später die Probleme für unsere Nachkommen sein. Ernst zu nehmende Warnzeichen gibt es genügend. In den zurückliegenden Jahren war jedes neue Jahr immer wärmer als das Jahr davor. 2024 war das bisher wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, 2025 dürfte noch wärmer ausfallen. Die Häufung von Extremwetter-Ereignissen in zahlreichen Regionen der Welt ist unübersehbar; sie verändern das Leben von vielen Millionen Menschen und verursachen Klimafolgenkosten in schwindelnder Höhe. Zudem ist der Klimawandel längst nicht nur ein Umweltproblem, sondern hat auch massive wirtschaftliche und sicherheitspolitische Auswirkungen. So wird die schmelzende Arktis und das Schwinden von Grönland-Eis erstmals Zugang zu neuen Ressourcen ermöglichen, was zu einem intensiven Wettbewerb zwischen China, Russland, den USA und mit Abstand vielleicht auch Europa führen wird. Die forsche Ankündigung des US-Präsidenten Trump, die Insel Grönland "kaufen" zu wollen, ist bezeichnend. 

Erschreckend für mich ist aber die Gleichgültigkeit, mit der weite Teile der Bevölkerung auf den Klimawandel blicken. Für viele ist der Klimawandel zu abstrakt, es fehlt die Leidenschaft oder wenigstens die Einsicht für einen Klimaschutz zugunsten unserer Kinder und Enkel. Bei anderen sind es - sicherlich nachvollziehbare  - Ängste vor einem Wohlstandsverlust. Aber was bedeutet dies im Vergleich zu den Folgen einer möglichen weltweiten Klimakatastrophe anstatt der derzeitigen Klimakrise? Was tun, wenn die Ozeane durch Wassererwärmung und Versauerung an Fischreichtum verlieren und Küstengebiete durch steigende Meeresspiegel bedroht werden? Nein, ein "Weiter so wie bisher", eine weitere Bevölkerungszunahme, weiteres Wirtschaftswachstum und wachsender Reichtum der Industrieländer passen nicht zu einem wirksamen Klimaschutz. 

 

Dieser ist mittlerweile sogar zum Schutz des Menschen geworden - und für mich die wichtigste Aufgabe der Erdbevölkerung. Viele Menschen nehmen ihn (noch ?) nicht ernst (Motto: "das tangiert uns ja nicht"), verdrängen die Thematik oder leugnen den menschgemachten Klimawandel sogar. Unsere Enkel und deren Kinder werden sich aber einmal fragen, warum die Generationen vor ihnen die Augen vor der Erderwärmung und der anhaltenden Überbevölkerung der Erde verschlossen haben. Ich blicke mit einem unguten Gefühl auf die Zukunft ... 

 

 

Dezember 2022 und Mitte März 2023 

Für einen Autor in meinem Alter (82 J.) war das Schreiben des Textes und die Gestaltung dieser Website nicht einfach. Nahezu ein volles Jahr intensiver Arbeit verstrich, bis das umfangreiche Werk schließlich Mitte Dezember 2022  fertig war. Es folgen nun neben dem „Fine Tuning“ der 16 Kapitel mindestens zwei Mal wöchentlich eine Aktualisierung und Ergänzung (das Datum der wichtigsten Änderungen ist jeweils an den Kapitelenden angegeben). Ich hoffe, dass ich damit Interesse oder zumindest Verständnis für diese äußerst wichtige Thematik aus meiner Sicht wecken kann. Wenn Sie sich, liebe Leser, nach dem Durchstöbern der Website ein besseres Bild über die Klimaveränderung auf der Erde und deren logische Folgen machen können, wäre mein Ziel  erfüllt. Denn nach wie vor habe ich den Eindruck, dass insbesondere der Temperaturanstieg in der öffentlichen Diskussion wenig präsent ist. Mein Anliegen ist, dass mehr Menschen verstehen, warum der Klimawandel nicht einfach nur durch ein bisschen weniger Autofahren, durch ein paar Einschränkungen beim Wintersport  (ehrlich: wem macht es schon Spaß, auf einem künstlichen schmalen Schneeband auf grüner Wiese den Hang herunterzufahren?) oder durch Energiesparen beim Heizen bekämpft werden kann. Die Klimaveränderung  zu ignorieren und  die Tatsache zu verdrängen, dass die Menschheit seit Jahrzehnten unseren Planeten übervölkert, über ihre Verhältnisse lebt und zu schnell wächst, wäre ein großer Fehler.  

Dennoch merke ich, dass die Mehrheit der Menschen trotz der häufigen medialen Berichterstattung die Klimafrage noch zu sehr auf die leichte Schulter nimmt. Die Bereitschaft, zugunsten des Klimas auf  lieb gewordene Gewohnheiten und Annehmlichkeiten zu verzichten, ist noch wenig ausgeprägt. Aber auch die Unternehmen zögern mit sinnvollen Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels. Die Nicht-Regierungsorganisation (NGO) Carbon Disclosure Project (CDP) wertete im Februar 2023 die Antworten  zu den Fragen ihres Fragebogens aus, der an fast 1.500 europäische Unternehmen verschickt wurde. Das ernüchternde Ergebnis: lediglich knapp 5 % der angeschriebenen Firmen gaben an, sich im Stadium einer "fortgeschrittenen Vorbereitung"  zur Reduzierung von CO2-Emissionen im gesamten Produktionsablauf zu befinden. 

 

Mir scheint, es fehlen die gesellschaftlichen Voraussetzungen für den dringend notwendigen Abschied von fossilen Energieträgern. Doch denken wir bitte an die veränderte Welt, die unsere Enkel und Urenkel und deren Kinder wahrscheinlich erleben werden. Wollen wir mitverantwortlich dafür sein, dass möglicherweise ein Teil unserer Nachkommen unter großer Hitze und mit extremen Wetterereignissen leben muss, unter hartnäckigen Massenerkrankungen leidet (Stichwort: Gefahren durch auftauende Permafrostböden mit  Freisetzung von gefährlichen Bakterien, Viren und Giftstoffen), oder dass die Staaten Jahr für Jahr einen nicht unbeträchtlichen Teil ihrer Budgets für die Beseitigung der Klimawandel-Schäden aufwenden müssen, nur weil sie bisher nur Alibi-Maßnahmen getroffen haben, die weit entfernt von  wirksamen Schritten zur Reduzierung bzw. Vermeidung der Treibhausgase und der Bevölkerungszunahme sind? Warnungen gibt es genug. So prognostizierte UN-Generalsekretär Antonio Guterres im Februar 2023  nur durch den Meeresspiegelanstieg ein Massensterben von rund 900 Mio. Menschen, die jetzt in tiefliegenden Küstengebieten oder auf flachen Inseln leben, wie beispielsweise auf den zahlreichen Inseln der Malediven, von denen rund 80 % nicht einmal 1 m über dem Meeresspiegel liegen (Bild 50). 

 

Unvorstellbare hohe Kosten durch Klimawandelfolgen

Was die Kosten der volkswirtschaftlichen Klimafolgen-Schäden in Deutschland  anlangt, so kamen mehrere  Institute zum Ergebnis, dass allein zwischen 2000 und 2021 mindestens 145  Mrd. Euro Schäden angefallen sind, davon allein rund 80 Mrd. Euro seit dem Jahr 2018. Je nachdem, wie rasch der Klimawandel voranschreitet, werden sich die volkswirtschaftlichen Schäden in Deutschland bis 2050 nach derzeitigem Stand auf 280 bis 900 Mrd. Euro belaufen. Davon dürften durch das am 1.7.2024 in Kraft getretene deutsche Klima-Anpassungsgesetz nach einer Schätzung des Deutschen Städtetags allein die Klimafolgen-Anpassungen vor Ort bis zum Jahr 2030  rund 55 Mrd. Euro ausmachen. 

 

Global gesehen muss die Weltbevölkerung mit Kosten in ganz anderen Größenordnungen rechnen. Wie das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) im Frühjahr 2024 ermittelte, wird die Weltwirtschaft aufgrund des Klimawandels bis 2050 mit einem Einkommensverlust von 19 % rechnen müssen, was jedes Jahr 38 Billionen Dollar = 38.0000 Mrd. Dollar (!) an Schäden bedeutet (PIK, Pressemitteilung vom 17.4.2024). Und zwar sogar unter der (aus heutiger Sicht wenig wahrscheinlichen) Annahme, dass die Treibhausgas-Emissionen ab sofort drastisch reduziert werden können. Diese Schäden sind rund sechs Mal höher als die Kosten für eine Begrenzung der globalen Erwärmung auf 2 °C. Wer also glaubt, wegen dieser Kosten auf die Bekämpfung des Klimawandels verzichten zu müssen, unterliegt einem großen Irrtum. Interessant ist, dass von den oben genannten weltwirtschaftlichen Schäden rund 8 Billionen Euro (ca. 9 Billionen US-Dollar) allein auf das Konto von fünf großen Unternehmen gehen: Chevron, ExxonMobil, Saudi Aramco, Gazprom und BP

Es ist zwar schmerzhaft, aber kostengünstiger und  sinnvoller, stärker in  die Eindämmung des Klimawandels zu investieren, als Jahr für Jahr Unsummen für die Beseitigung  immer wieder neuer  Klimawandelschäden auszugeben. So haben beispielsweise auch die schweren Hochwasserereignisse in Süddeutschland im Juni 2024 deutlich gezeigt, wie verheerend und teuer die Folgen des Klimawandels sein können.

 

www.klimawandel-report.com, Hauptinsel Malé, bis 2100 durch den steigenden Meeresspiegel wohl unter Wasser stehend, Klimawandel
Bild 50: Hauptinsel Malé der aus vier Inseln bestehenden 155.000-Einwohnerstadt der Malediven. Bis 2100 dürften die meisten dieser Inseln durch den ansteigenden Meeresspiegel unter Wasser liegen. Bild: Wikipedia, unverändert, CC BY-SA30

 

Auch unsere Kirchen und ihre Mitglieder müssen umdenken. Noch scheint es allerdings damit nicht so weit her zu sein, sieht man sich Umfragen an. So lief beispielsweise Anfang Januar 2023 im Portal evangelisch.de  die (allerdings nicht repräsentative) Umfrage "Soll man angesichts der Krisen der Zukunft lieber keine Kinder bekommen?" Das Ergebnis sah nach zwei Wochen folgendermaßen aus:

  • 9 % antworteten mit: ja, angesichts von Klimakrise und Überbevölkerung ist es unverantwortlich, Kinder zu bekommen
  • 21 % waren unentschieden
  • 70 % antworteten mit: nein, ich würde darauf vertrauen, dass Gottes Segen auch in Zukunft den Kindern gilt.

Dabei ist der Schutz der Erde eigentlich gerade für Christen ein Herzensanliegen. Ein Theologe hat es unlängst so ausgedrückt: "Wenn der Mensch unsere Erde beschädigt, heißt dies aus theologischer Sicht, dass er auch die Beziehung zu Gott schädigt".

Glücklicherweise besteht aber noch immer die Chance, größere klimawandelbedingte Katastrophen mit möglicherweise vielen Millionen Todesopfern durch richtiges Tun und Verhalten der Weltbevölkerung und der internationalen Politik zu verhindern, auch wenn dies mit jedem Jahr des Hinauszögerns immer schwieriger wird. Ein ermunterndes Erfolgsbeispiel ist die Entwicklung des Anteils an erneuerbarer Energie am (deutschen) Bruttostromverbrauch. Betrug der regenerative Anteil im Jahr 2000 erst 6,6 % und 2010 schon 17,2 %, waren es im Jahr 2022 bereits 46,5 % (auch wenn dazu das für PV- und Windkraftanlagen vorteilhafte Wetter und der etwas geringere Stromverbrauch im Vergleich zu 2021 beigetragen haben).

 

Eine Bitte möchte ich abschließend noch äußern: Informieren Sie Personen Ihres Verwandten-, Bekannten- und Kollegenkreises, die über die Berichterstattung in den Medien hinaus mehr Details und Fakten über den Klimawandel und seine Folgen erfahren möchten, über die nicht-kommerzielle, unabhängige und private Website www.klimawandel-report.com.

Schreiben Sie mir gerne, falls die eine oder andere Textstelle Ihrer Meinung nach unverständlich, missverständlich oder widersprüchlich ist oder wenn Sie mit einer meiner Schlussfolgerungen nicht einverstanden sind (Kontakt bitte über die Kategorie „Kontakt + Danksagung + Vita des Autors“). Vielen herzlichen Dank.

 

 

Horst Köhler

Friedberg/Bayern

 


                                                                                          

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https://www.klimafakten.de

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www.bmwk-energiewende.de/EWD/

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