Inhaltsverzeichnis 

 

1.   Inhaltsverzeichnis + Einleitung (= Kapitel 1)

2.   Wetter ist nicht gleich Klima

3.   Der Treibhauseffekt und die Treibhausgase

4.   Unterschied zwischen Kohlendioxid und den Kohlendioxid-Äquivalenten

5.   Typische Argumente von Klimawandel-Leugnern

6.   Warum Erderwärmung als Temperaturdifferenz und nicht in absoluten Zahlen?

7.   Die 1,5 °C- und die 2 °C-plus-Welt; Gewinner und Verlierer des Klimawandels

8.   Bisher weitgehend unterschätzt: Kipp-Effekte

9.   Kohlendioxid-Emissionen nach Ländern und Sektoren

10. Einige Kohlendioxid-Emittenten: Straßen-, Luft- und Seeverkehr

11. Sind Rinder und Kühe für den Klimawandel verantwortlich?

12. Natürliche Kohlendioxid-Senken: Ozeane, Moore, Wälder

13. Maßnahmen zur Emissionsreduzierung

14. Emissionskompensation und Emissionshandel

15. Rettet ein Stopp des Bevölkerungswachstums das Klima?

16. Wenn Kinder, Privatpersonen, Verbände und Staaten Regierungen verklagen 

        Epilog +  Literatur

        Kontakt + Danksagung + Vita des Autors 

 

Sie finden das Vorwort und die Einleitung als Kapitel 1 gleich anschließend, die Kapitel 2 bis 16 in der Kategorie „Kapitel 2 - 16“.  


Kapitel 1: Vorwort + Einleitung 

Liebe Leser,

Zunächst allen Besuchern dieser Website ein herzliches Willkommen. Schön, dass Sie auf diese Seite durch Themensuche im Internet oder durch den Hinweis eines Verwandten oder Bekannten gestoßen sind. Dieser Klimawandel-Report ist eine Mischung aus Fach- und Sachwerk und aktuellem Nachschlagewerk mit einer enormen Detailfülle. Stöbern Sie darin immer mal wieder, denn die Texte werden mehrmals wöchentlich aktualisiert. Dies unterscheidet www.klimalwandel-report.com von anderen Websiten zum gleichen Thema. Alle Kapitel im Gesamtumfang eines dicken Fachbuches auf einmal durchzuarbeiten dürfte ohnehin kaum möglich sein.

 

Wer mit 81 Lebensjahren einen derart umfangreichen Klimawandel-Report beginnt und dabei bewusst auch unangenehme Fakten und Schlussfolgerungen zur Sprache bringt, muss wirklich beunruhigt sein. Ja, mich treibt seit fast 30 Jahren tatsächlich die Sorge um unser zukünftiges Klima und die Frage um, wie damit unsere Nachkommen zurechtkommen werden. Außerordentlich enttäuscht bin ich, dass nach wie vor zu viele Menschen, Politiker und Industriemanager die Augen vor der Klimakrise verschließen oder zu gleichgültig sind, etwa nach dem Motto „Was in 20 oder 30 Jahren passiert, betrifft mich nicht mehr“. Viele einflussreiche Menschen verkennen die Gefahr der Folgen des Klimawandels oder sehen sie als völlig überzogen an. Dies betrifft vor allem den am 6.11.2024 in seine zweite Amtszeit als US-Präsident ab 20.1.2025 gewählten Donald Trump. Er kündigte bereits am Wahltag an, aus dem Pariser Klimaabkommen auszutreten, die US-Umweltbehörde EPA zu schwächen und amerikanische Schutzgebiete zu verkleinern, um  Erdölbohrungen und den Bergbau zu erleichtern. Dies hat er zur großen Überraschung vieler Menschen und Politiker auch gleich an seinem ersten Arbeitstag per Dekret umgesetzt.

 

Politiker und Regierungen formulieren gerne allzu bereitwillig Absichten, Vorschläge und Ziele zum Stopp der Erderwärmung, handeln dann aber nicht oder allenfalls halbherzig erst dann, wenn es nicht mehr anders geht. Jedenfalls werden die Folgen des Klimawandels meiner Meinung nach heute immer noch stark unterschätzt, auch wenn sie mittlerweile fast tägliches Thema in den Medien sind. Warnungen vor einer weiteren Klimaerwärmung gab und gibt es andererseits genügend, und auch schon sehr lange. So gelangte bereits im Jahr 1972 der Club of Rome in seiner Studie "Grenzen des Wachstums" zur Erkenntnis, dass die Menschheit ihre eigene Lebensgrundlage zerstört, wenn sie weiterhin so wächst, produziert, verbraucht und Land, Luft und Ozeane verschmutzt wie bisher.  35 Jahre später, im März 2007, veröffentlichte der Stern in seiner Sonderausgabe "So retten wir das Klima ... und haben trotzdem Spaß am Leben" das Ergebnis seiner Umfrage  "Ändern Sie Ihr Verhalten angesichts des drohenden Klimawandels?": 70 % der 1.004 Befragten antworteten mit einem NEIN und nur 28 % mit einem JA (2 %: WEISS NICHT). Ich nehme an, dass sich die Zahl der Ja-Antwortenden mittlerweile vergrößert hat (siehe dazu das Kapitel "Epilog" nach Kapitel 16), auch wenn es keinen Zweifel gibt, dass die notwendigen deutlichen Einschränkungen zur Bekämpfung des Klimawandels alles andere als Spaß bereiten. Dies zeigte sich auch an den Ergebnissen mehrerer Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Civey.  Im März 2023 beispielsweise beantworteten 5.005 Befragte die Civey-Frage  "Wären Sie bereit, für mehr Klimaschutz Ihren derzeitigen Lebensstil zu ändern?" folgendermaßen:

  • 31 % mit "ja, auf jeden Fall" bzw. "eher ja"
  • 12 % waren unentschieden
  • 57 % mit "eher nein" bzw. "nein, auf keinen Fall".

Dazu passt ein Umfrageergebnis von Civey vom 13. und 14.10.2024 (5.061 Befragte). Auf die Frage "Sollte die Bundesregierung Ihrer Meinung nach eher mehr oder eher weniger Geld für den Klimaschutz als bisher ausgeben?" fielen die Antworten wie folgt aus:

  • 22,4 % mit "eindeutig mehr"
  •   9,9 % mit "eher mehr"
  • 26,2 % mit "so viel wie bisher"
  • 10,7 % mit "eher weniger"
  • 34,9 % mit "eindeutig weniger" und
  •   1,9 % mit "weiß nicht".

Die Civey-Frage "Wie bewerten Sie die Forderung von Christian Lindner (FDP; der frühere Finanzminister Lindner wurde am 6.11.2024 von Bundeskanzler Olaf Scholz aus seinem Amt entlassen), die deutschen Klimaziele von 2045 auf 2050 zu verschieben?" beantworteten am 6.11.2024 insgesamt 5.066 Personen so:

  • 47,3 % mit "eindeutig richtig"
  • 11,9 % mit "eher richtig"
  • 6,7 % waren unentschieden
  • 8,3 % mit "eher falsch"
  • 34,1 % mit "eindeutig falsch".

Die Mehrheit folgte also der Forderung des deutschen Ex-Ministers, die deutschen Klimaziele aufzuweichen, nur 34,1 %  hatten eine andere Meinung. Diese Umfrageergebnisse zeigen, dass die Befragten durchaus von den Schrecken einer zunehmenden Erderwärmung  gehört oder gelesen haben, dass aber der überwiegende Teil gleichgültig  gegenüber dieser Thematik ist oder sie einfach ignoriert. Warum ist dies so? Weil die meisten jetzt lebenden Menschen die klimatischen Veränderungen nicht mehr am eigenen Leib spüren werden? Oder weil sie einfach zu müde oder zu gleichgültig angesichts all der anderen komplizierten Krisen dieser Welt geworden sind? 

Dem überwiegenden Teil der deutschen Bevölkerung ist eine gute Wirtschaftslage und finanzielles Wohlergehen wichtiger als der Klimaschutz, der für ein vollständiges Eindämmen der Erderwärmung und damit für eine auch in Zukunft intakte Erde massive Anpassungen, auch im persönlichen Bereich, erfordern würde. Auf die Frage von Civey vom 23./24.3.2025, "Inwieweit stimmen Sie der Aussage zu: Der Klimaschutz darf nicht wichtiger sein als der Erhalt der Industrie in Deutschland?", antworteten 5.061 Befrage wie folgt: 62,2 % mit "stimme eindeutig zu und stimme eher zu", 27,6 % mit "stimme eindeutig nicht zu bzw. stimme eher nicht zu"; der Rest war unentschieden. 

 

Die Welt-Klimagipfel der Vereinten Nationen

Seit 1992 werden regelmäßige internationale Klimakonferenzen der Vereinten Nationen mit meist jeweils etwa 200 teilnehmenden Ländern und Tausenden von Einzelpersonen organisiert. So fand die UN-Klimagipfelkonferenz COP26 im November 2021 im schottischen Glasgow mit über 30.000 Teilnehmern statt (COP = Conference of the Parties = Konferenz der Vertragsstaaten), von Regierungschefs, Vertretern der Industrie und Energiewirtschaft, von Lobbyisten, Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs), Umweltschutzorganisationen, Wissenschaftlern, Journalisten, Klima-Skeptikern und Klima-Aktivisten. Vom 6. bis 19.11.2022 folgte mit der COP27 im ägyptischen Sharm el-Sheikh die nächste Mammutkonferenz mit etwa 35.000 Teilnehmern. Am 30.11.2023 begann dann mit der 28. Weltklimakonferenz COP28 die bis dahin besucherstärkste Tagung in Dubai (Vereinigte Arabische Emirate, VAE). Für die Konferenz meldeten sich insgesamt rund 90.000 Teilnehmer aus 197 Staaten plus der EU an (darunter eine große deutsche Delegation mit allein mehr als 250 Regierungsmitarbeitern), über doppelt so viele wie bei den beiden Tagungen 2021 und 2022. Am 11.11.2024 begann dann in Baku, Hauptstadt von Aserbaidschan im Südkaukasus, COP29 mit Vertretern von 197 Staaten. Doch die Erwartungen der Fachleute hielt sich von Anbeginn an in Grenzen, weil diese ehemalige Sowjetrepublik vom Export von Öl und Gas lebt und sich deshalb das Engagement der Veranstalter bei den dringenden Klimaschutzfragen in Grenzen hielt. Kein Wunder, dass mehrere wichtige Regierungschefs ihre Teilnahme absagten. Dazu zählten auch der damalige deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz, EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, der französische Präsident Macron, der noch amtierende USA-Präsident Biden und Chinas Regierungschef Xi Jinping. Schon am Eröffnungstag  der Konferenz lief bezeichnenderweise nur wenig nach Plan. Am zweiten Tag irritierte der aserbaidschanische Präsident Ilham Aliyev in seiner Eröffnungsansprache das Plenum durch die Aussage, das fossile Energien ein "Geschenk Gottes" seien. Die COP30 fand vom 10. bis zum 22.11.2025 mit diesmal nur etwa 50.000 Teilnehmern aus fast 200 Staaten im brasilianischen Belém nahe der Mündung des Amazonas in den Atlantik statt. Lesen Sie über die ("Mini"-)Ergebnisse dieser Tagung im "Epilog" im Anschluss an das Ende von Kapitel 16. Die nächste Weltklimakonferenz COP31 wird im Oktober 2026 in der türkischen Metropole Antalya ablaufen.  

 

Mit diesen internationalen Großkonferenzen sind gigantische Energieverbräuche verbunden. Allein bei der COP26 im damals noch relativ kühlen Glasgow verursachte jeder Delegierte inclusive seiner Reise-Emissionen im Schnitt einen Treibhausgas-Ausstoß von rund 6 t. Im heißen Sharm el-Sheikh im November 2022 war der Pro-Kopf-Ausstoß wegen der zahlreichen Kühlanlagen noch höher. Und bei der COP28 in Dubai verursachten Veranstalter und Teilnehmer einen Treibhausgas-Ausstoß, der höher war als der von Französisch Guyana mit seinen ca. 320.000 Einwohnern oder Grönland (57.000 Einwohner) im gesamten Kalenderjahr. Da frägt sich schon mancher, ob solche Mammut-Konferenzen im Jahresrhythmus unbedingt sein müssen. 

Umso enttäuschender ist, dass nach meiner Auffassung alle bisherigen internationalen Klimakonferenzen mehr oder weniger weit hinter den Erwartungen zurückblieben, so dass für den Klimaschutz viel Zeit verstrich. Zwar wurde z.B. in Sharm el-Sheikh nach fast drei Jahrzehnten vorausgegangener Diskussionen endlich ein gemeinsamer Geldtopf zum Ausgleich von Klimafolgenschäden in den armen Ländern beschlossen, doch wie und was und wer wie viel einzahlt, blieb offen, eigentlich bis heute (2025). Wenigstens bestätigten die Delegierten die bereits während der Konferenz COP26 in Glasgow  gefällte Entscheidung, schrittweise aus der Kohle auszusteigen, auch wenn der Zeitpunkt dafür immer wieder aufgeweicht wird. Dabei setzen einige Länder, wie z.B. China, leider nach wie vor auf Kohle.

 

Der schnellstmögliche Ausstieg aus den fossilen Energieträgern sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, wenn man den Stopp der Erderwärmung bejaht. Doch die globalen Treibhausgase nehmen jedes Jahr weiter zu statt ab. So erhöhten sich die weltweiten Treibhausgas-Emissionen von 2022 auf 2023 um 2 % und von 2023 auf 2024 um 243,5 Mio. t; dies ist eine Steigerung um 0,46 %. In der EU und in Deutschland sanken sie dagegen von 2023 auf 2024 durch die getroffenen  europäischen und nationalen Klimaschutzmaßnahmen: In der EU um 1,8 % und in Deutschland um 1,1 %. Doch höhere Emissionen in Ländern wie China, Indien oder Russland führten zur hier aufgeführten weltweiten Erhöhung. Zudem verbraucht die weiter wachsende Menschheit zu viele Rohstoffe in immer kürzerer Zeit. Deutlich wird dies durch den sog. Erd- oder Weltüberlastungstag (Earth Overshoot Day), jener Tag im Kalenderjahr, an dem rechnerisch alle natürlichen Ressourcen einschließlich Luft, Holz und Trinkwasser verbraucht sind, die die Erde bis Jahresende bereitstellen kann. Noch 1987 war der Weltüberlastungstag erst am 19. Dezember, 1995 am 21. November, 2023 am 2. August, 2024 am 1. August und 2025 am 24. Juli. Ab diesen Tagen lebte der Mensch ökologisch quasi "auf Pump", also auf Kosten unseres Planeten und der kommenden Generationen. Der rein deutsche Erdüberlastungstag  war im Jahr 2025 sogar schon am 3. Mai. Dies zeigt, dass der deutsche Pro-Kopf-Ressourcenverbrauch viel höher ist als der weltweite Durchschnittswert. 

 

Doch zum klaren und geordneten Ausstieg (phase out) aus Kohle, Öl und Gas war man selbst auf den letzten drei Weltklimakonferenzen in den Jahren 2023, 2024 und 2025 trotz immer deutlicher werdenden Warnzeichen und eindringlichen Mahnungen der Wissenschaft nicht bereit. Dies ist einerseits frustrierend, andererseits aber auch verständlich, weil die meisten Länder nicht von heute auf morgen damit aufhören können, fossile Brenn- und Kraftstoffe zu nutzen um stattdessen auf erneuerbare Energien durch Sonne, Wind und Wasser zu setzen. Besonders auffällig ist in diesem Punkt die restriktive Haltung der Länder China, Russland und vor allem der ölproduzierenden Länder. So gab es in den letzten Jahren auch keine bindende Vereinbarung der COP- Vertragsstaaten, ehrgeizigere Klimaziele festzuschreiben, umzusetzen und zu kontrollieren. Es geht vorrangig darum, das im Jahr 2015 bei der Klimakonferenz COP21 in Paris von 197 Ländern unterzeichnete verbindliche politische Abkommen, die Erderwärmung  bis zum Jahr 2100 dauerhaft, d.h. mindestens über 20 Jahre hinweg, auf 1,5 °C, in keinem Fall jedoch höher als 2,0 °C gegenüber der vorindustriellen Zeit (d.h. 1850 - 1900) zu bringen. Nach diesem Abkommen gilt die mittlere Erhöhung von 1,5 °C als Grenze für eine gefährliche Klimakatastrophe und nicht nur einer Klimakrise; sie liegt nahe an der höchsten Temperatur während der vorletzten warmen Klimaphase der Welt vor rund 125.000 Jahren. Doch es ist unübersehbar, dass eine Erhöhung um 1,5 °C schon lange vor der nächsten Jahrhundertwende erreicht sein wird; sehr wahrscheinlich gilt dies auch für eine "großzügigere" Steigerung von 2,0 °C, auch wenn dies die Medien nicht so deutlich kommunizieren - die Öffentlichkeit  soll schließlich nicht zu sehr beunruhigt werden. Doch viele wissenschaftliche Institutionen, anerkannte Klimaforscher und auch diese Website scheuen sich nicht, Fakten zu benennen. Dazu zählt, dass bereits im Jahr 2024 die 1,5 °C-Grenze überschritten wurde, denn sie lag damals schon 1,6 °C über dem vorindustriellen Niveau. Trotzdem ist das Pariser Ziel noch nicht gescheitert, denn es bezieht sich wie erwähnt auf längerfristige Messungen und Mittelwerte von mindestens 20 Jahren. Aber: es wird von Jahr zu Jahr immer wärmer. 2023 war wie die Jahre davor bereits ein weiteres Hitze-Rekordjahr, noch übertroffen von 2024 als das bisher wärmste Rekordjahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Ungeachtet dessen nimmt jedoch der Verbrauch an fossiler Brennstoffenergie auf der Welt weiter zu, anstatt ab.

Nimmt man all dies zur Kenntnis, gelangt man zwangsläufig zu dem Ergebnis, dass die verbindliche Festlegung der Weltklimakonferenz 2015 in Paris von Anfang an viel zu optimistisch war. Die Menschheit muss nicht bis zum Jahr 2100 warten, um ganz sicher zu sein, dass das Ziel verfehlt ist. Auch im 20-Jahresmittel wird es Anfang der 2030-er Jahre so weit sein, fast unabhängig von der Emissionsentwicklung. Die noch schlechtere Nachricht: Falls die bereits zugesagten Emissions-Minderungsziele der Regierungen eingehalten werden, wonach es derzeit leider nicht aussieht, wäre mit einer Erwärmung zwischen 2 und 2,4 °C gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu rechnen. Sollten die bisherigen Zusagen tatsächlich nicht eingehalten we3rden, steuert die Welt bis Ende des Jahrhunderts auf einen Temperaturanstieg von bis zu 3,4 °C zu. Die Länder müssen also ihre bereits zugesagten Ziele nicht nur schnell umsetzen, sondern sie auch drastisch verstärken (Klimafaktenpapier, November 2025).

 

Die weitere Erderwärmung der Erde ist wegen der Trägheit des Klimasystems (CO2 verschwindet nicht, sondern hält sich sehr lange in der Luft) mindestens einige Jahrzehnte, vermutlich sogar Jahrhunderte lang selbst dann nicht zu stoppen, wenn es - rein hypothetisch - gelänge, von heute auf morgen sämtliche Treibhausgas-Emissionen zu verhindern. Deshalb haben auch sehr geringe jährliche  Emissionszuwächse negative Folgen für das Klimasystem. Dies sind Tatsachen, die viele Menschen bezweifeln, nicht verstehen oder ignorieren.

 

Temperaturhöchstwerte (2023 bis Mitte 2025): an Land, in den Flüssen, Seen und Meeren - es wird immer wärmer

Wie schnell die bisherigen Klimaziele schon nach wenigen Jahren überholt sind, zeigte sich beispielsweise an einer Meldung des EU-Erdbeobachtungsdienstes Copernicus von Februar 2024.  Der Monat Februar 2024 war in Deutschland im Mittel um besorgniserregende 6,6 °C zu warm. Gegenüber dem Zeitraum zwischen 1961 und 1990 bedeutet dies ein Plus von 6,2 °C, denn damals betrug die durchschnittliche Februartemperatur nur 0,4 °C. Besonders warm war es Mitte Juli 2023 im Kreis Erlangen-Höchstadt, wo mit 38,3 °C die höchste Temperatur des Jahres gemessen wurde. Auch der März 2024 und die nachfolgenden Monate haben Deutschland  fortlaufend neue Temperaturrekorde beschert. So wurde z.B. am 13.8.2024 im rheinland-pfälzischen Bad Neuenahr-Ahrweiler eine Höchsttemperatur von 36,5 °C gemessen, im unterfränkischen Kitzingen am Main am gleichen Tag  36,1 °C. Durchaus in gleicher Größenordnung waren die Temperaturen auch im Sommer 2024. Am 13.8.2024 wurde beispielsweise in Bad Neuenahr-Ahrweiler in Rheinland-Pfalz mit 36,5 °C die bundesweit höchste Temperatur gemessen. 

 

Das Jahr 2024 war somit in Deutschland das bisher wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen und zugleich das Jahr mit den extremsten Wettereignissen. Zum elften Mal in Folge war der jährliche Rekordwert übertroffen worden. Das Temperaturmittel in 2024 betrug nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes 10,9 °C (2023: 10,6 °C), 2,7 °C über dem Wert der Referenzperiode 1961 bis 1990. Als es das letzte Mal so warm war, müssten wir rund 120.000 Jahre zurückgehen, d.h. in die sog. Eem- Warmzeit vor der letzten Eiszeit. Sie endete 115.000 Jahre vor heute und brachte der damaligen Welt Durchschnittstemperaturen von mehreren Grad über dem heutigen Niveau. Der Meeresspiegel lag seinerzeit nahezu 10 m höher als heute.

 

Fast jede Woche gab es im Jahr 2024 extreme Wetterkapriolen irgendwo auf der Welt. Noch in guter Erinnerung sind die Hitzephasen rund um das gesamte Mittelmeer:  Der Juli 2024 mit örtlich fast 50 °C auf Sardinien, Dürren in Spanien, sowohl verheerende Waldbrände als auch zerstörerische Flutkatastrophen mit geschätzten Schäden von 6 Mrd. Euro allein in Griechenland durch den Mittelmeer-Zyklon "Daniel", schrecklicher Starkregen ebenfalls durch "Daniel" Mitte September in Ost-Libyen über der Stadt Darna mit einem Bruch von zwei Staudämmen (Folgen: Überflutung der Stadt und des Umlandes, 40.000 Menschen verloren ihr Zuhause, Tausende Tote und über 8.000 Vermisste) oder die schweren Waldbrände in Kanada usw.. Auch in anderen Ländern, wie z.B.  in Südostasien, leidet die Bevölkerung immer wieder unter unerträglichen Hitzewellen oder extremen Regenfällen. So wurde Ende April 2024 in Manila über 38 °C gemessen, in Teilen von Bangladesh mehr als 43 °C und in Vietnam, Thailand, Indien und Myanmar sogar um die 46 °C - jeweils im Schatten! Nachts sanken dort die Werte kaum unter 30 °C. Auf der Hadsch im saudi-arabischen Mekka starben im Juni 2024 an der Hitze über 1.300 Menschen, nachdem tagelang Tagestemperaturen bis zu 50 °C herrschten. Nahezu fünf Milliarden Menschen, so die Schätzung, setzte die extreme Hitze im Juni 2024 stark zu, davon allein 619 Millionen in Indien und 579 Millionen in China; 165 Millionen waren in den USA und 152 Millionen in Europa in Europa betroffen.

In Erinnerung sind noch die verheerenden Waldbrände von Juli 2024 in Nordkalifornien, wo innerhalb von vier Tagen eine Fläche von 1.450 km2 mit 70 Gebäuden verbrannten und rund 4.000 Menschen flüchten mussten. Die Gegend in und um Los Angeles wurde zum Jahreswechsel 2024/25 von heftigen Bränden heimgesucht: Bis Mitte Januar 2025 waren etwa 12.000 Häuser ausgebrannt; die verbrannten Vermögenswerte betrugen etwa 150 Mrd. US-$.

 

Besonders schwierig ist seit Jahren die Situation in Griechenland. In den letzten 30 Jahren hatte sich dort die Durchschnittstemperatur um 1,5 °C, im Nordwesten des Landes sogar um über 2 °C erhöht. 2023 wurden durch Waldbrände rund 175.000 Hektar Land vernichtet, das Vierfache des Durchschnitts der Jahre 2006 bis 2022. Allein im Großraum Athen verbrannten zwischen 2017 und 2024 etwa 37 % der bewaldeten Flächen. Die griechische Hauptstadt ist ohnehin besonders durch die Erderwärmung belastet. Im Jahr 2023 zeigte dort das Thermometer 300 Stunden lang Werte über 30 °C an; auf der Peleponnes wurde gar eine Spitzentemperatur von 46,4 °C gemessen. Die Jahre 2024 und 2025 verliefen nicht viel anders. Im Juni 2025 ächzte die griechische Bevölkerung und die zahlreichen Touristen wieder einmal über eine Hitzewelle. Nur drei Wochen später, Ende Juli 2025, war es mit Temperaturen um rund 40 °C erneut unerträglich heiß. LKWs verspritzten Wasser zur Kühlung der überhitzten Straßen Athens, die Stadtverwaltung verteilte kostenlos Wasserflaschen an die Passanten, die Akropolis und andere antike Stätten wurden mittags für einige Stunden für Besucher geschlossen und in einigen Teilen des Landes verordnete das Arbeitsministerium ein Arbeitsverbot während der heißesten Tageszeit. Geht es so weiter, sind in den nächsten 30 Jahren weitere 1,5 bis 2 °C Landerwärmung zu erwarten. Dann hätten sich die mittleren Temperaturen innerhalb von rund 60 Jahren um 3,5 °C erhöht. 

Die Hitzewellen trafen nicht nur Griechenland, sondern den gesamten Südosten Europas, vor allem Italien, die Türkei und Zypern. Auf Sizilien wurden am 25. Juli 2025 um 10 Uhr über 30 °C gemessen, im türkischen Istanbul um die gleiche Zeit schon 36 °C. Die türkische Touristenmetropole Antalya musste an diesem Tag Temperaturen bis zu 45 °C ertragen. In der Türkei loderten um diese Zeit zahlreiche Waldbrände, vor allem in der Region Bursa im Nordwesten des Landes. Im Südosten des Landes registrierten die Behörden mit etwas über 50 °C einen neuen Hitzerekord.

Anderenorts setzen starke Regenfälle und Überschwemmungen den Menschen stark zu. Nur ein Beispiel: Ende Juli 2025 kamen in der chinesischen Hauptstadt Peking durch Überflutungen mindestens 34 Menschen ums Leben, rund 80.000 Personen mussten evakuiert werden. Derartige Naturkatastrophen sind vor allem im Sommer für China häufig. Kein Widerspruch ist, wenn - nicht nur in China - einige Regionen von Sturzfluten oder Überschwemmungen betroffen sind, andere aber unter sengender Hitze und Trockenheit leiden. 

Dass die Niederschlagsrate auch in anderen Regionen gerade im Sommer sehr hoch sein kann,  hängt damit zusammen, dass durch die hohen Temperaturen viel Wasser aus dem Land, Flüssen, Seen und Meeren verdunstet. Warme Luft kann mehr Wasserdampf aufnehmen, als trockene. Je 1 °C Erwärmung nimmt Luft rund 7 % mehr Wasser auf. Entsprechend mehr Wasser kann dann aus den schweren Wolken abregnen. Dass dann noch dazu Tiefdruckgebiete länger als früher üblich über einzelnen Regionen verbleiben und für gewaltige Überflutungen sorgen können, ist die Folge abgeschwächter Luftströmungen in der Höhe (Jetstreams). Ein typisches Beispiel dafür war die folgenschwere Flut im Juli 2021 im Ahrtal, wo die sonst harmlose Ahr innerhalb von Stunden zu einem reißenden Fluss anschwoll, über die Ufer trat und Gesamtschäden von 41 Mrd. € (davon 15 Mrd.€ versicherte Schäden) verursachte; 186 Menschen verloren ihr Leben, sehr viel mehr ihr Heim und Gut.

 

Die Hitze belastet nicht nur viele Menschen in unseren Breitengraden und im Süden Europas, sondern breitet sich bis in die beiden Erdpole aus. Statt der für die Monate Juli und August in der Antarktis dort üblichen Temperaturen zwischen - 50 und - 60 °C war es im Sommer 2024 um 10 °C, in einzelnen Regionen sogar bis zu 28 °C wärmer. Einer der Ursachen dafür ist die Abschwächung des polaren Luftstroms, der die kältere Luft von den umliegenden Meeren zurückhält. Alle hier genannten (Tages-)Temperaturen sind übrigens im Schatten gemessene Werte.

 

Große Schäden verursachen regelmäßig die Hurrikane in den USA, deren Zahl und Stärke durch den Klimawandel bedingt zunimmt.. Ende September 2024 traf der Hurrikan "Helene" auf Florida; er war für mindestens 200 Todesfälle sowie wirtschaftliche Schäden nach Aussage des weltweit größten Rückversicherungskonzerns Munich Re von etwa 56 Mrd. €  verantwortlich. Nur zwei Wochen später überquerte Hurrikan "Milton" den US-Staat Florida von West nach Ost. Seine Windgeschwindigkeit über dem Meer hatte in nur 24 Stunden von 130 km/h auf 282 km/h zugenommen. Damit war "Milton" einer der stärksten Stürme der letzten Jahre im Atlantik. Geschätzte Gesamtschäden nach ersten Erhebungen nochmals mindestens 37 Mrd. €. Etwa zwei Millionen Einwohner Floridas waren vom Hurrikan betroffen. Ursache dieser immer intensiver werdenden Katastrophen ist allerdings nicht der menschgemachte Klimawandel allein, sondern eine Kombination mit dem alle paar Jahre für einige Monate auftretenden natürlichen Wetterphänomen El Nino. Man könnte die (ohnehin nicht vollständige) Katastrophen-Liste weiterführen (Ripple, 2024): Zwischen März und April 2024 fielen der extremen Hitze in einem großen Teil Nordafrikas und der Sahelzone Hunderte oder vielleicht sogar Tausende Menschen zum Opfer; im gleichen Zeitraum verloren in Ostafrika bei schweren Überschwemmungen  Hunderte ihr Leben. Ausgedehnte Überschwemmungen im Süden Brasiliens verwüsteten 478 Städte, töteten 175 Personen und hinterließen  Tausende Vermisste, Verletzte und Vertriebene. Enorme Schäden in hoher Milliardenhöhe verursachten ferner Ende Oktober 2024 heftige Starkregen und über die Ufer tretende Flüsse mit nachfolgenden folgenschweren Überschwemmungen im Süden und Osten Spaniens, vor allem in der spanischen Region Valencia. Allein am 29.10.2024 fiel oberhalb von Valencia innerhalb von 24 Stunden örtlich 500 l/m2  Regen, fast so viel wie normalerweise in einem ganzen Jahr. Es wurden über 220 Tote gezählt, Hunderte von Menschen wurden vermisst, Tausende mussten ihr Heim verlassen. Der Gesamtschaden belief sich auf fast 11 Mrd. €, wovon nur gut 4 Mrd. € versichert waren. 

Weltweit haben allein im Jahr 2024 die durch den Klimawandel stärker werdenden Hurrikane, Überschwemmungen, Wirbelstürme und andere Naturkatastrophen  laut Munich Re Schäden in Höhe von rund 320 Mrd. US-$ (ca. 310 Mrd. €) angerichtet (der Durchschnitt der vergangenen 10 Jahre lag bei 236 Mrd. US-$). Viele Schäden waren nicht durch Versicherungen abgedeckt. Wie die obigen Zahlen zeigen, traf es Nordamerika mit 60 % aller Schäden am härtesten.  

Auch Indien ist von extremen Hitzewellen nicht ausgenommen. So wurde Ende Mai 2024 in einem Vorort der Hauptstadt Delhi mit 52,3 °C (im Schatten) die höchste bisher im gesamten Land gemessene Temperatur registriert. In Delhi selbst kletterte das Thermometer auf 50,5 °C.

 

Die starken Waldbrände in Nordkalifornien im Juli 2024 vernichteten allein in den ersten vier Tagen nach Ausbruch eine Fläche von über 1.450 km2, zerstörten mindestens 70 Gebäude und zwangen über 4.000 Menschen zur Flucht. Die Feuer waren zwar wohl zum Teil auf Brandstiftung oder leichtsinniges menschliches Verhalten zurückzuführen, wurden aber maßgeblich durch die örtlichen Rekordtemperaturen, die niedrige Luftfeuchtigkeit und die starken Winde angefacht und ausgeweitet. Dies traf auch auf die folgenschweren Brände um den Jahreswechsel 2024/25 in mehreren Regionen rund um Los Angeles in Kalifornien zu. Allein die zwei größten dieser Feuer verwüsteten eine Fläche von rund 150 km2. Zeitweise mussten 180.000 Menschen ihre Häuser verlassen, viele verloren Hab und Gut. Mit Stand 13.1.2025 waren rund 12.000 Gebäude verbrannt, die Zahl der bestätigten Toten stieg auf 24 Personen, weitere Menschen wurden noch vermisst. Erste Schätzungen der in Los Angeles verbrannten Vermögenswerte reichten bis hin zu 150 Mrd. US-$. Obwohl Kalifornien als waldbranderprobter Staat gilt, litten die Löscharbeiten dadurch, dass wegen der starken Winde die Löschung aus der Luft nicht mehr möglich war und an vielen Orten am Boden zu wenig Löschwasser zur Verfügung stand.

 

Eine der Folgen der Dürren war, dass in Brasilien der Rio Negro, einer der nördlichen Nebenflüsse des Amazonas, auf den niedrigsten Pegel seit etwa 100 Jahren sank. Dabei herrschte noch um 2021 bei Manaus Landunter durch weitreichende Überschwemmungen des Flusses. Sollte der Rio Negro künftig vielleicht sogar austrocknen, wäre dies nicht nur eine ökologische Katastrophe, sondern das Transportwesen in Brasilien wäre gefährdet, weil es in der Region kaum gut ausgebaute größere Straßen gibt und der Transport von Gütern auf dem Fluss  für die Bevölkerung überlebenswichtig ist.

Nicht nur zahlreiche Flüsse trocknen aus oder werden im Sommer durch gesunkene Pegel für den Güter- und Menschentransport auf dem Wasser unbrauchbar. Besonders bedrohlich ist, dass auch die Temperaturen der Weltmeere steigen. Nach dem Jahresbericht 2024 des europäischen Wetterbeobachtungsdienstes Copernicus  lag die durchschnittliche Oberflächentemperatur der Weltmeere im Jahr 2024 bei 20,87 °C, um 0,51 °C höher als in den Jahren zwischen 1991 und 2020. Besonders stark erwärmte sich das Mittelmeer. In der dritten Juliwoche 2025 stiegen die Oberflächentemperaturen gebietsweise bis auf 30 °C - so warm war es im Mittelmeer noch nie. 

 

Bedenklich ist, dass die neuen Temperaturrekorde in immer kürzeren Zeitabständen auftreten. Erfahrene Klimaforscher gehen mittlerweile davon aus, dass sich die Welt ohne deutlich verschärfte Maßnahmen zum Klimaschutz eher einer weltweiten Erwärmung um 3 °C anstatt von 2 °C, geschweige denn 1,5 °C nähert. Dabei spielt auch eine Rolle, dass die CO2-Senken wie (Regen-)Wälder, Moore und Ozeane "schwächeln". Nach dem deutschen Klimaforscher Stefan Rahmstorf wäre es dann so warm wie vor etwa drei Millionen Jahren, als unsere noch wenigen frühen Vorfahren auf Bäumen lebten und es den aufrecht gehenden Homo Sapiens, also den heutigen Mensch, noch nicht gab.

Eine aktuelle Studie hat gezeigt, dass der Klimawandel mit seinen Wirbelstürmen, Hitzewellen und Starkregen zwischen 2004 und 2023 maßgeblich zum Tod von über einer halben Million Menschen beigetragen hat. Davon seien allein 2022 und 2023 in Europa mehr als 90.000 Personen infolge der Hitzewellen gestorben. Nach Aussage des Robert-Koch-Instituts gab es 2024 in Deutschland etwa 2.800 hitzebedingte Todesfälle. Man kann allerdings davon ausgehen, dass ohne den Klimawandel die Hälfte dieser Menschen überlebt hätte, weil der Nachweis, ob jemand allein durch hohe Temperaturen verstorben ist, schwer zu führen ist. Doch sicher ist, dass sich die Extremwetterereignisse künftig häufen und noch intensiver ausfallen werden. Wir brauchen deswegen in den Ländern starke politische Führungen, die sich deutlich konsequenter als bisher für den Ersatz von fossilen Brenn- und Kraftstoffen durch erneuerbare Energien und für die Reduktion von Klimagasen einsetzen. Freilich muss auch die Bevölkerung mit den notwendigen Einschränkungen einverstanden sein, was aus meiner Sicht alles andere als gesichert ist - siehe die Umfragen weiter oben. Blickt man beispielsweise auf den Präsidentenwechsel in den USA Ende Januar 2025, besteht nur sehr wenig Anlass zu Optimismus. Denn allein mit der Beseitigung und Wiederinstandsetzung der immer wieder neuen enormen Klimawandel-Folgeschäden, mit besserem Hochwasserschutz, besserer Frühwarnsysteme oder mit Schutzdämmen ist es nicht getan. Der Fokus muss auf dem Stopp des Klimawandels liegen, d.h. auf der Beseitigung der Ursache, nicht auf der teuren Finanzierung immer wieder immenser Schäden.

So loderten in Spanien mehrfach starke Feuer. Im ersten Halbjahr 2025 verbrannten dort 157.000 Hektar an Wald- und Vegetationsflächen, davon allein in der ersten Augusthälfte 115.000 Hektar, ein Gebiet halb so groß wie das 
Saarland. Die Ursache für die Brände auf dieser Welt liegen fast immer bei den Menschen,  doch der Klimawandel spielt dabei eine entscheidende Rolle (häufigere extrem trockene Sommer, reduzierte Bodenfeuchte in den Wäldern, sinkende Grundwasserspiegel, durch Krankheiten und Schädlingsbefall geschwächter Baumbestand).  

 

Afrikanische Kindergartenkinder, sie ahnen noch nichts vom Klimawandel, der vor allem ihre Heimat betrifft
Bild 1: Diese fröhlichen afrikanischen Kindergartenkinder ahnen noch nicht, wie der Klimawandel ihre Heimat verändern wird. Irgendwann werden sie es erfahren – und erleben.

Das CO2-Restbudget

Seit über 30 Jahren gibt es eine internationale Klimapolitik, wenn auch meist nur mit wenig ambitionierten gemeinsamen Abschlussvereinbarungen. Sehr viel Zeit verbleibt nicht mehr. Wollte die Welt tatsächlich das (meiner Auffassung nach utopische) Pariser Klimaschutzziel (langfristig möglichst nur 1,5 °C Erwärmung gegenüber der vorindustriellen Zeit, aber höchstens + 2,0 °C) erreichen, hätten zwischen Januar 2020 und 2030 weltweit höchstens noch etwa 420 Milliarden Tonnen gasförmiges Kohlendioxid (420 Mrd. t CO2) in die Atmosphäre abgegeben werden dürfen. Diese Menge  wird als globales CO2-Restbudget bezeichnet (CO2 ist das wichtigste Klimagas, siehe Kapitel 4). Das Budget gibt also an, wieviel CO2 die Menschheit noch ausstoßen darf, ohne dass ein bestimmter Temperaturanstieg mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit überschritten wird. Daraus lässt sich pro Kopf der Bevölkerung leicht errechnen, wie viel die einzelnen Staaten und sogar einzelne Großstädte höchstens noch emittieren dürfen, um die weltweite mittlere Erwärmung von 1,5 bis höchstens 2,0 °C nicht zu überschreiten. Doch drei Jahre später waren derartige Zahlen allenfalls gut für studentische Rechenaufgaben. Die Weltwetter-Organisation WMO gab in ihrem Bericht von Mitte Mai 2023 bekannt, dass das globale CO2-Restbudget auf etwa 250 Mrd. t geschrumpft ist und deshalb bereits in wenigen Jahren ganz erschöpft sein wird. Leider sieht es aktuell wirklich so aus. Denn um das  1,5 °C-Ziel entgegen der wissenschaftlichen Erkenntnissen doch noch zu schaffen, müsste die Welt bereits im Jahr 2035 konsequent Netto-Null-Emissionen erreichen, 10 Jahre früher als sich z.B. Deutschland laut Klimaschutzgesetz vorgenommen hat. Das Bundesland Bayern möchte sogar schon 2040 klimaneutral sein (wobei aktuell wieder eine Verschiebung auf 2045 im Gespräch ist). Beides scheint aus heutiger Sicht nur ein Wunschtraum zu sein. 

Die Situation für Deutschland ist in der Tat unerfreulich: Anfang 2025 war klar, dass Deutschland sein Emissionsbudget bereits Ende 2024 aufgebraucht hat und das Pariser Ziel für unser Land deshalb unerreichbar ist, selbst dann, wenn wir von heute auf morgen alle CO2-Emissionen stoppen könnten. Wir stoßen einfach nach wie vor mehr CO2 aus als uns zusteht, wenn wir unseren Anteil an der Weltbevölkerung zugrunde legen.

Deutschland dürfte im Jahr 2030 etwa 224 Mio. t CO2 zu viel ausstoßen, um sein gesetztes Klimaziel 2030 erreichen zu können und muss deshalb Emissionszertifikate zum geschätzten Preis von 100 €/ t CO2 von anderen EU-Staaten zukaufen (siehe Kapitel 14). Selbst um z.B.  + 1,75 °C noch vor 2040 zu erreichen,  müssten die Klimaschutz-Maßnahmen der Bundesregierung  sofort und nicht erst in einigen Jahren erheblich verschärft werden. Erfolgt dies nicht, d.h. laufen die eher moderaten CO2-Einsparungsmaßnahmen weiter wie zuletzt, wäre Deutschland nach meiner Abschätzung erst um 2060 klimaneutral. Wie auch immer, schon jetzt verfehlt die deutsche Klimaschutzpolitik klar die Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts (siehe auch Quaschning 2025). 

 

Im Kalenderjahr 2020 wurden weltweit ca. 36 Mrd. t CO2 ausgestoßen (davon in Deutschland 0,64 Mrd. t CO2, d.h. rund 2 % der globalen CO2-Emission), 2021 waren es knapp 38 Mrd. t, 2022 mit 38,5 Mrd. t geringfügig mehr und 2023  39 Mrd. t (alle Angaben lt. EDGAR, 2024). Im Jahr 2022 hatten nur die Auswirkungen der Energiekrise eine höhere Emission verhindert. Im Sektor Strom- und Wärmeerzeugung sind 2022 die Emissionen wegen des Wechsels von Gas zu Kohle  mit 14,6 Mrd. t CO2 um 1,8 % gegenüber dem Vorjahr gestiegen. 15,5 Mrd. t CO2 wurden allein durch die weltweite Kohleverbrennung freigesetzt - so viel wie nie zuvor. Über die Hälfte des Kohleverbrauchs entfiel auf China, obwohl dort die strenge Corona-Politik in 2022 dämpfend auf die Kohlenachfrage gewirkt hat. Das Jahr 2020 war das erste und bisher zugleich auch das einzige Jahr, in dem die globalen Emissionen leicht zurückgingen - aber nur temporär wegen der weltweiten Corona-Beschränkungen und nicht etwa durch gezielte Emissionsreduzierungs-Maßnahmen der einzelnen Länder.

 

Zum Nachdenken:

Um die mittlere globale Erdtemperatur lediglich um 0,1 °C zu senken, müssen

rund 220 Mrd. t CO2 aus der Atmosphäre entfernt werden. Dies

entspricht dem 5,6-Fachen des Jahresausstoßes der gesamten 

Menschheit im Jahr 2023.  

 

Wie schwierig angekündigte Klimaziele letztlich zu erreichen sind, zeigt sich schon daran, dass die USA unter der früheren Biden-Regierung als einer der größten CO2-Emittenten und als großes Industrieland schon Ende 2021 ihr rechnerisches CO2-Budget ausgeschöpft hatten. Somit dürfte das Land eigentlich jetzt schon keine klimaschädlichen Gase mehr ausstoßen. Ähnliches trifft auch auf Kanada, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate zu, während Deutschland für eine (theoretische)  1,5 °C-Erwärmungsgrenze noch ein paar Jahre Zeit hätte -  China bis 2030 und die EU möglicherweise sogar bis 2033. Nur die bevölkerungsreichsten Länder mit gleichzeitig geringen CO2-Emissionen haben noch mehr Zeit.

Berechnungen zufolge liegt die Welt wie weiter oben erwähnt für das Jahr 2100 auf einem  3 °C-Kurs. Dann würde, weil sich Landgebiete schneller erwärmen als Meere, die Temperatur in einigen Regionen Deutschlands  um + 5 bis + 6 °C steigen - mit derzeit noch nicht absehbaren negativen Konsequenzen für Mensch und Natur (siehe Kapitel 7). Es sei hier allerdings eingeräumt, dass sich bei der Vielzahl der publizierten Studien der verschiedenen Stellen und Organisationen im In- und Ausland die Ergebnisse unterschiedlich ausfallen, schon deshalb, weil unterschiedliche Szenarien vorausgesetzt werden (siehe Anmerkung auf  der Startseite). Doch alle aktuellen Mess- und Rechendaten bestätigen, das die früheren Langzeitprognosen zu konservativ getroffen wurden. So gab der europäische Klimadienst Copernicus in seinem 2023 veröffentlichten Bericht bekannt, dass der Sommer des Jahres 2022 in Europa mit 1,4 °C über dem Durchschnitt der Jahre 1991 bis 2020 der wärmste seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen war. Das gesamte Jahr 2022 war mit 0,9 °C über dem Temperaturdurchschnitt im gleichen Zeitraum  das zweitwärmste nach 2020, das Jahr 2023 war wie oben erwähnt noch wärmer als 2022. Besonders warm war es in der Arktis: mit durchschnittlich + 6,4 °C waren dort die Sommermonate Juli bis September 2023 die wärmsten regionalen Temperaturen seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.  

 

Klimaexperten sagen voraus, dass sich die Zahl der Hitzetoden in Europa bis zum Jahr 2100 verdreifachen könnte. Die Ursachen: immer noch heißere Sommer und gleichzeitig eine zunehmend alternde Bevölkerung. Interessant ist: Allein der weltweite massive Verbrauch an Nahrungsmitteln, also ohne Berücksichtigung der Emissionen aus der Verbrennung fossiler Stoffe, würde nach einer aktuellen Studie bis zum Jahr 2100 leicht die 1,5 °C-Marke reißen. Um nicht missverstanden zu werden - nur durch die Ernährungsgewohnheiten der - nach wie vor wachsenden - Weltbevölkerung, wobei der Fleischverzehr den größten Einfluss hat. "Wir fressen das Klima", so titelte im März 2023 die Website klimareporter.de einen aufrüttelnden Kommentar zu diesem Aspekt. Schon heute haben sich nach dem 1990 erschienenen ersten umfangreichen Teil des Sachstandberichts des 1988 gegründeten Weltklimarats IPCC die Landflächen im Mittel um 1,6 °C und die Meerestemperaturen (die Geschwindigkeit der Ozeanerwärmung hat sich in den letzten beiden Jahrzehnten verdoppelt) um durchschnittlich 0,9 °C erwärmt (IPCC = Intergovernmental Panel on Climate Change; deutsch: Zwischenstaatlicher Ausschuss für Klimaänderungen; der IPCC erarbeitet für die UN wissenschaftliche Einschätzungen zum Klimawandel mit entsprechenden Handlungsvorschlägen; er stellt selbst keine eigenen Forschungen an, sondern sammelt und bewertet Tausende veröffentlichter Arbeiten). Die Temperaturen in den Polarregionen steigen sogar mehr als doppelt so schnell wie in den Gebieten der niedrigeren Breitengrade. Dies zeigt, wie knapp die Zeit zum Handeln ist. Wir nähern uns in der Tat einer Notsituation.

 

Doch mit dem brutalen militärischen Einmarsch Russlands in die Ukraine am 24. Februar 2022 steht der Klimaschutz leider nicht mehr an erster Stelle der langen Liste der gegenwärtigen Krisen. Um von den früheren massiven Öl- und Gaslieferungen Russlands an Deutschland und andere EU-Staaten unabhängig zu werden und auch wegen der angestiegenen Preise für Öl, Gas und Elektrizität, gewann Strom aus der billigen, aber klimaschädlichen Kohle wieder an Bedeutung, was natürlich den CO2-Ausstoß weiter ansteigen ließ. Durch die veränderte politische Lage ergaben sich neue Fragen: Was ist, wenn Russland wegen der dort  zurückgehenden Gasverkäufe an die EU-Länder noch mehr als bisher überflüssiges Gas abfackelt und so das Klima zusätzlich stark belastet? Schon jetzt wird geschätzt, dass jährlich weltweit rund 150 Mrd. m3 Gas durch Abfackeln vernichtet wird; dies ist etwa so viel wie Deutschland derzeit in einem Jahr an Erdgas verbraucht.

 

Die Bevölkerung (nicht nur die deutsche) leidet unter den stark angestiegenen Energiepreisen und versucht deshalb, Energiekosten im privaten Bereich durch Sparmaßnahmen in Grenzen zu halten. Zumindest dies kommt dem Klima zugute. Denn beispielsweise vermindert jeder einzelne Liter durch eine geringere Fahrtgeschwindigkeit oder durch verbrauchsoptimierte Fahrweise oder einfach durch Stehenlassen des Autos weniger verbrauchten Kraftstoff den CO2-Ausstoß bei Diesel um 2,65 kg CO2/l (Benzin: 2,33 kg/l). Jeder Liter weniger Verbrauch an leichtem Heizöl bedeutet ebenfalls 2,65 kg weniger CO2 und jeder Kubikmeter weniger Erdgas für die Heizung 2 kg weniger CO2. 

Die Auswirkung möchte ich an einem einfachen Zahlenbeispiel aus dem Kfz-Bereich aufzeigen. Geht man davon aus, dass in Deutschland zurzeit rund 50 Millionen Verbrenner-PKWs zugelassen sind und setzt man ferner voraus, dass jedes dieser Fahrzeuge künftig jede Woche lediglich 1 l Kraftstoff weniger verbraucht, würde allein dies eine jährliche CO2-Minderung von ungefähr 6,25 Mio. t bedeuten. Bezogen auf die gesamte deutsche CO2-Emission aus allen Sektoren von 583 Mio. t im Jahr 2023 entspricht dies 1 %  (2022 stieß Deutschland 668 Mio. t CO2 aus, 2023  594 Mio. t und 2024  572 Mio. t; alle Angaben nach UBA von 14.3.2025). Diese Mengen mögen auf den ersten Blick nicht allzu bedrohlich erscheinen, aber jedes einzelne Prozent weniger CO2-Ausstoß hilft dem Klima enorm.  

 

Man kann es wirklich nicht oft genug sagen, die Zeit drängt, denn mit jedem weiteren Jahr bis zum Wirken effizienter Treibhausgas-Reduktionsmaßnahmen erhöht sich in der noch verbleibenden Zeit die erforderliche jährliche Reduzierung der Treibhausgase. Umso mehr Anstrengungen sind dann nötig, um die Zielverfehlungen wieder auszugleichen. In Deutschland waren zwar z.B. 2024 mit rund 649 Mio. t CO2e (2023: ca. 672 Mio. t  CO2e) die gesamten Treibhausgas-Emissionen (Kohlendioxid-Äquivalente, abgekürzt CO2e, siehe Kapitel 4) , also neben CO2 auch Methan, Lachgas und die F-Gase (siehe Kapitel 3), gegenüber dem Vorjahr leicht gesunken, doch die (schwachen und deshalb nicht überzeugenden) Ziele der Bundesregierung wurden trotzdem erneut verfehlt. Um die nationalen Emissions-Zielwerte für 2030 noch zu erreichen, müssten ab sofort jährlich rund 6 % Emissionen eingespart werden. Immerhin hat Deutschland trotzdem eine Vorreiterrolle bei der Einsparung von Treibhausgasen, sieht man von den Sektoren Verkehr und Gebäude ab. Seit dem Pariser Klimaabkommen COP21 in Jahr 2015 gingen die deutschen  Treibhausgas-Emissionen in allen Sektoren bis Ende 2024 um beachtliche 25 % zurück; in der EU27 betrug die Einsparung im gleichen Zeitraum mit 22,8 % etwas weniger. Andere Länder verfehlten ihre Ziele jedoch deutlich. Die größte Zunahme der nationalen Treibhausgase zwischen 2015 und 2024 verzeichnete Indien (+ 32 %), gefolgt von China (+20 %) und Russland (+ 15 %); alle Angaben nach EDGAR 2024.

Die fünf größten Treibhausgas-Emittenten des Jahres 2024 waren China (15,5 Mrd. t CO2e), USA (5,91 Mrd. t CO2e), Indien (4,37 Mrd. t CO2e) und Russland (2,58 Mrd. t CO2e). Doch pro Kopf der Bevölkerung zeigt sich ein anderes Bild. Hier war Russland mit 18,0 t CO2e pro Kopf ganz deutlich der Hauptverschmutzer, gefolgt von den USA (17,34 t CO2e je Kopf) und China mit 10,81 t CO2e je Kopf. Indien, immerhin drittstärkster Treibhausgas-Emittent, schneidet in dieser Pro-Kopf-Statistik mit nur 3,0 t CO2e je Kopf der Bevölkerung hervorragend ab - im Vergleich zu Deutschland mit 8,2 t CO2e.

 

Auffällig und besorgniserregend sind die seit mehreren Jahren zunehmenden Methan-Emissionen, vor allem die der Länder mit intensiver Landwirtschaft. Beispiel Brasilien: dort entfiel im Jahr 2024 knapp 48 % der 1,3 Mrd. t Treibhausgase auf Methan (CH4), auf CO2 dagegen nur 38 % (Rest F-Gase und Stickoxide; EDGAR 2025). Trotz des normalerweise für etwas Abkühlung sorgenden mehrjährigen Klimaphänomens La Niňa, das zwischen 2020 und 2023 wirkte, erwärmte sich die Erde weiter. Teilursache war das Schwesterphänomen El Niňo zwischen Sommer 2023 und Mai 2024, eine unregelmäßige und anomale Erwärmung des tropischen Pazifiks. 

Die Politik hinkt beim Klimawandel den seit vielen Jahren mahnenden Aussagen der Klimaforscher nach wie vor deutlich hinterher. (siehe "Epilog") Es kam schon ab 1750 nach Aussage des IPCC zu ersten Anzeichen einer Zunahme der Treibhausgase in der Atmosphäre. Jahrzehnte sind bereits verstrichen, seit die Klimaexperten anfingen, immer wieder besorgt auf das Risiko und die Konsequenzen einer übermäßigen Erderwärmung hinzuweisen. Der IPCC  hatte schon in seinem ersten Bericht im Jahr 1990 eindringlich vor den Folgen des Klimawandels gewarnt. Heute zeigt sich, dass die Forscher in den späten 1980er- und frühen 1990er-Jahren keineswegs übertrieben, sondern mit ihren Prognosen mit Rücksicht auf die Öffentlichkeit vorsichtig, also konservativ, waren. Heute sind die ersten Vorhersagen der Wissenschaftler von damals bittere Realität, viele wurden sogar übertroffen. Hätten die Regierungen der Länder schon früher ernsthafte CO2-Minderungen eingeleitet, wäre das globale Pariser Klimaziel vielleicht noch einzuhalten gewesen. Denn rund die Hälfte der von der Menschheit seit 1850 produzierten CO2-Menge wurde erst nach 1990 emittiert, etwa ein Fünftel sogar erst seit 2009.

 

Befürworter, Gleichgültige und Gegner des Klimawandels

Der Klimawandel ist heute alltägliches Top-Thema in allen Medien. Doch noch vor rund 10 - 15 Jahren war die Situation in der Öffentlichkeit von breitem Desinteresse geprägt. Folgendes habe ich selbst erlebt:

→  Renommierte überregionale Tageszeitungen boten damals Klimaskeptikern, Klimaleugnern und den sogenannten Querdenkern (siehe Kapitel 5) durch die häufige Verbreitung deren obskuren Vorstellungen jahrelang ein Podium, das einen großen Teil der Leserschaft verunsicherte und teilweise sogar zu neuen Klimawandel-Skeptikern machte. Meine Bemühungen, Redaktionen und die Leserschaft durch Leserbriefe auf die tatsächlichen Fakten hinzuweisen, waren wenig erfolgreich: Meine Zuschriften wurden nur stark gekürzt oder überhaupt nicht abgedruckt.

→  Als ich im Jahr 2011 einen Einladungsvortrag zum Thema  „Müssen wir uns über unser Klima sorgen?“ hielt, zeigte sich auffälliges Desinteresse: Im Vortragsraum konnte ich nur vier Zuhörer begrüßen. 

→  Im Herbst 2015 kündigte eine Volkshochschule in ihrem Programm meinen zweiteiligen Kurs „Der Klimawandel – echte Bedrohung der Menschheit oder übertriebene Panikmache?“ an. Die Veranstaltung musste abgesagt werden, nachdem sich dafür nur zwei Personen angemeldet hatten.

 

Demonstration junger Menschen, Klimawandel, Fridays for Future
Bild 2: Protestumzüge in vielen Städten vor allem mit jungen Menschen machen die Bevölkerung auf die Klimaproblematik aufmerksam. Bild: pixabay CC 452316

Erst mit der Gründung von „Fridays for Future“ im August 2018 durch die schwedische Schülerin Greta Thunberg - sie relativierte im Herbst 2023 die Verbrechen der Hamas in Israel, rief zu Anti-Israeldemonstrationen auf und steht seitdem in der Kritik - begann ein längst fälliger Denkprozess (Bild 2). Die soziale Jugendbewegung macht sich zwar mit ihren Forderungen zum Stopp der Erderwärmung nicht nur Freunde, weil bei ihr oft die ökonomische Konsequenz, z.B. der Verlust von Arbeitsplätzen, zu wenig Beachtung findet. Doch ihr Einsatz, Mut und Durchhaltevermögen verdient Achtung und Bewunderung. Denn die Aktionen von mehreren Klima-Bewegungen haben in der Öffentlichkeit durchaus ein Umdenken bzw. wenigstens ein Nachdenken  bewirkt und sie für das Klimathema sensibilisiert. Teilweise noch im Teenager-Alter dürften die meisten Aktivisten und ihre Sympathisanten meiner Ansicht nach zwar die überaus komplexen physikalischen und chemischen Zusammenhänge unseres Klimasystems kaum vollständig verstehen, aber sie ahnen sehr wohl, wie real und nahe die Bedrohung ihrer eigenen Zukunft geworden ist. Ihre ständige Forderung, wissenschaftliche Fakten endlich anzuerkennen und diesen entsprechende Taten folgen zu lassen, ist nicht nur berechtigt, sondern längst überfällig. Wenn man Emissionsdaten vergleicht, wird man feststellen, dass die globalen Treibhausgas-Emissionen trotz aller Appelle und Warnungen der Wissenschaftler zwischen 1990 und 2024 keineswegs abgenommen haben oder wenigstens gleich blieben, sondern um 65 % zunahmen.  Da ist es zumindest ein "Fingerzeig", dass Deutschland im gleichen Zeitraum seine Treibhausgas-Emissionen in allen Sektoren um 45 % reduzieren konnte (EDGAR, 2025). Das zeigt den noch skeptischen Ländern dieser Welt deutlich, dass Einsparungsmaßnahmen bei den Emissionen nicht umsonst sind.

Nicht zu Unrecht warnte die Klimaaktivistin Aimée van Baalen von der Bewegung „Last Generation“ in ihrer Rede auf Einladung der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) im November 2022 in Magdeburg mit folgenden Worten: „Beim Klimaschutz genügt es nicht, möglichst viel zu tun. Erst wenn wir tatsächlich genug tun, um die Klimakipppunkte nicht zu überschreiten, sind wir sicher. Anderenfalls setzen wir eine Abwärtsspirale in Gang, es kommt zu unaufhaltsamen Kettenreaktionen, die die Erderwärmung unkontrollierbar verstärken. Die dadurch ausgelösten Umweltveränderungen werden die Menschheit über Generationen, wenn nicht sogar Jahrtausende, nicht mehr in den Griff bekommen“ (Van Baalen, 2022).

 

Zahlreiche Zweifler, Egoisten, Querdenker, Mitglieder und Funktionäre der AfD, der frühere und 2024 wiedergewählte US-Präsident Trump und Lobbyvereine von Klimaleugnern bestreiten noch immer, dass der Klimawandel weitestgehend von uns Menschen verursacht wird. Nicht selten wird sogar infrage gestellt, dass er überhaupt stattfindet - etwa mit dem Argument, es habe ja im letzten oder vorletzten Winter viel geschneit. Leider lassen sich diese Personen nicht einmal durch grundlegende physikalische und chemische Fakten überzeugen, ignorieren die wissenschaftlichen Erkenntnisse und basteln sich aus zufällig passenden Beobachtungen ihr eigenes fragwürdiges Klimasystem zusammen. Sie unterscheiden vor allem nicht zwischen den Auslösern der früheren natürlichen Klimaveränderungen, bei denen die Menschheit noch gar nicht existierte, und den Ursachen des jetzigen anthropogenen Klimawandels als Folge der massiven fossilen Energienutzung. Der durch diese Anti-Haltung entstandene Schaden ist beträchtlich, denn er hat die Klimapolitik um viele Jahre verzögert.

 

Einer der auffälligsten Klimaleugner ist der seit Anfang 2025 im Dienst seiner zweiten Amtsperiode befindliche Präsident der USA, Donald Trump. Für ihn gibt es keine Erderwärmung und der Klimawandel ist für ihn nach seiner Aussage ohnehin ein Betrug. Er lehnt Windkraftanlagen und Photovoltaik-Anlagen ab und lästert über erneuerbare Energien. Dagegen erlaubt er neue Öl- und Erdgasbohrungen sogar in bisher streng geschützten Gebieten in Alaska und blockiert den Ausbau von Offshore-Windparks. Bereits am zweiten Tag seiner neuen Präsidentschaft kündigte er per Dekret für die USA das Pariser Klimaabkommen auf, was im Januar 2026 wirksam werden wird. Es steht eine vollständige Abkehr der USA von der bisherigen Klimapolitik des Landes bevor. Wie die weiter oben angegebenen Zahlen zeigen, sind die USA hinter China zweitgrößter Emittent; sie haben seit Inkrafttreten der Vereinbarung auf der Weltklimakonferenz COP21 in Paris im Jahr 2015  ihre Gesamt-Treibhausgasemissionen bis Ende 2024 lediglich um 7 % reduziert. Im gleichen Zeitraum gelang Deutschland dagegen eine Reduzierung von 25 % und der EU27 um 18,5 % (was allerdings beides nicht zur Erreichung der Klimaziele ausreicht. Andere Länder erhöhten sogar dagegen ihren Treibhausgas-Ausstoß zwischen 2015 und 2024  drastisch: Indien um 32 %, China um 21,5 %, Russland um 20 %. Weltweit stieg er um 9,8 %. Der Ausstieg der USA aus dem internationalen Klimaabkommen ist vor allem deswegen ein herber Rückschlag für den Klimaschutz, weil US-Präsident Trump stark auf die Förderung und Verbrennung von Öl, Gas und LNG setzt, womit zwangsläufig eine enorme Anhäufung von Klimagasen verbunden ist. Ob andere Länder den Ausstieg der USA durch vermehrte Anstrengungen kompensieren können, erscheint mehr als fraglich.

 

Doch nicht nur  Politiker, Privatpersonen oder Verbände zählen zu den Klimaleugnern, sondern große Energiekonzerne wie z.B. der US-amerikanische Ölriese ExxonMobil (Otto, 2019, Latif, 2020). Diesem Unternehmen war nämlich schon in den 1970er-Jahren sehr gut bekannt, dass es mitverantwortlich für den zu erwartenden Klimaverlauf ist. Trotzdem behauptete es - wahrheitswidrig - immer wieder, dass ein menschgemachter (anthropogener) Klimawandel wissenschaftlich nicht zu beweisen ist und verzögerte so den Beginn rechtzeitiger Maßnahmen zur Eindämmung der Erderwärmung erheblich. Deshalb wurde ExxonMobil  im Oktober 2018 als größter börsennotierter Ölkonzern der Welt von der New Yorker Staatsanwaltschaft angeklagt, weil er die Weltöffentlichkeit und Anleger über Jahrzehnte hinweg bewusst getäuscht hat (mehr zu Klimaklagen in Kapitel 16). Dabei hatte das Unternehmen intern selbst die Forschungen über die Folgen des Klimawandels vorangetrieben, nach außen hin leugnete es aber trotzdem die Zusammenhänge. Etwa 20 Jahre lang schaltete ExxonMobil  in der New York Times  Woche für Woche großformatige Anzeigen contra Klimawandel, in denen es von Begriffen wie Wissenslücken, hoher Grad an Unsicherheit, unbewiesene Theorien, Vermutungen usw. nur so wimmelte. Erst 2006 änderte der Konzern mit einem neuen Geschäftsführer auf Druck der Anleger und der Öffentlichkeit endlich seine Klimapolitik, beendete Zuwendungen an klimaskeptische Denkfabriken, investierte in ökologische Projekte und schlug sogar eine CO2-Steuer vor. 

Doch Ende Dezember 2022 machte ExxonMobil  erneut von sich reden, als es vor dem EU-Gericht in Luxemburg (EuG) Klage gegen die EU erhob. Das US-Unternehmen wehrte sich gegen die Absicht der EU, besonders hohe Gewinne abzuschöpfen, die bei Öl- und Gasunternehmen wegen der Energiekrise angefallen sind. Bei der Weltklimakonferenz COP28 in Dubai war auch der Chef von ExxonMobil  unter den Teilnehmern, als einer unter rund 2.400 zugelassenen Klima-Skeptikern. Zu ihnen muss auch der Präsident von COP28 und Chef des Ölkonzern Adnoc,  Al-Dschaber, gezählt werden, ebenso wie der russische Präsident Putin, der  während der COP28 im benachbarten Emirat Abu Dhabi versuchte, den Ausstieg aus den fossilen Energien zu verhindern.            

 

Ziele von www.klimawandel-report.com 

Mit der Website www.klimawandel-report.com möchte ich mit Missverständnissen und Falschmeldungen aufräumen und die Besucher mit den Tatsachen des Klimawandels und seiner Folgen vertraut machen. Panik auslösen will ich jedoch trotz aller Skepsis über das Erreichen der Pariser Klimaziele nicht. Ich hoffe, dass mit dieser Website das Verständnis über die auf uns zukommenden unpopulären Maßnahmen zum Klimaschutz zunehmen wird (siehe Kapitel 13). Ich positioniere mich mit meiner Arbeit zwischen den Klimaforschern mit ihrem großen Expertenwissen und modernsten Klima-Berechnungsmethoden, aber für die Öffentlichkeit nicht immer verständlichen Fachveröffentlichungen und jenen Journalisten und TV- und Radiomoderatoren, die den Klimawandel in ihren Sendungen regelmäßig thematisieren, selbst aber keine Klima-Experten sind. Dazu ein anschauliches Beispiel dafür, wie schnell die Öffentlichkeit durch eine zu oberflächliche, missverständliche oder falsche Berichterstattung getäuscht wird: Eine bekannte auflagenstarke süddeutsche Tageszeitung vermeldete im März 2023, dass die Verbrennung von E-Treibstoffen (E-Fuels, synthetische Treibstoffe) in Verbrennungsmotoren genauso viel umweltschädliche Abgase erzeugt wie die Verbrennung von fossilen Kraftstoffen. Es stimmt zwar, dass auch E-Kraftstoffe wie E-Diesel und E-Benzin bei der motorischen Verbrennung Kohlendioxid (CO2) erzeugen, allerdings, und dies ist der entscheidende Unterschied, nur so viel, wie bei ihrer Herstellung aus der Luft (oder direkt aus Industrieabgasen) aufgenommen wurde. Somit wird kein neues CO2 frei. Deswegen gelten E-Fuels auch als klimaneutral, ganz im Gegensatz zu Öl, Diesel oder Benzin. Mein auf den Fehler aufmerksam machender Leserbrief dazu an die Redaktion der Tageszeitung wurde nicht abgedruckt und ein etwas später an die Chefredaktion gerichtetes Schreiben nicht beantwortet.

 

Sachlich und ohne Worthülsen will ich die Klimawandel-Verharmloser und -Skeptiker zum Nachdenken bringen. Bewusst verzichte ich auf die Wiedergabe von oft gezeigten aufrüttelnden, inzwischen aber fast schon abstumpfenden Fotos. So verwende ich keine Bilder von Eisbären, die auf einer winzigen Eisscholle im sonst weitgehend eisfreien Nordmeer treiben, keine wasserumspülten Häuser und Touristen-Hotels in Ufernähe, die durch den ansteigenden Meeresspiegel halb im Wasser stehen und verlassen wurden, keine der über 60.000 bei den verheerenden Buschbränden in Südost-Australien zwischen Ende 2019 bis zum Frühjahr 2020 ums Leben gekommenen, schwer verletzten oder vertriebenen Koalas (insgesamt sollen damals  in Australien rund drei Milliarden Tiere getötet oder vertrieben worden sein), keine absterbenden Korallenlandschaften und keine toten Fische, die sich nicht rechtzeitig an die schleichende Wasserversauerung und die höheren Meerestemperaturen anpassen konnten.

 

Ich wünsche, dass meine Darstellung durch die Vermittlung von Fachwissen dazu beiträgt, mehr Neugier und Interesse zu wecken. Die Diskrepanz, vor der wir stehen, ist enorm. Auf der einen Seite darf bis zur tatsächlichen Durchführung (mit einer Absichtserklärung und sogar einem Beschluss allein ist es nicht getan, noch weniger mit einer Vorlage oder einem unverbindlichen Vorschlag) effizienter Emissionsreduzierungen keine Zeit mehr verstreichen, auf der anderen Seite sehe ich derzeit immer noch enorme Vorbehalte und Rückschritte (siehe das Kapitel  "Epilog" nach Kapitel 16). Es wird Zeit, die mitunter sehr beunruhigenden Aussagen der Klimaforscher nicht mehr als übertrieben und ihre Schlussfolgerungen als falsch oder als Panikmache anzusehen. Ein Beispiel, welche Folgen eine derartige Haltung haben kann, sehe ich in der verheerenden Megaflut-Katastrophe im Juli 2021 im Westen Deutschlands an der Ahr und der Erft mit über 180 Toten, Hunderten von Verletzten und Schäden in Milliardenhöhe. Hintergrund: der Deutsche Wetterdienst (DWD) hatte damals bereits in den Tagen vor der Flut deutliche Hochwasserwarnungen ausgesprochen, aber die Warnungen der Meteorologen wurden nicht ernst genommen, missverstanden, nicht geglaubt oder nicht schnell genug an die zuständigen Krisen- und Katastrophenstellen weitergeleitet. Schäden ganz anderen Ausmaßes richtete im Sommer 2022 der ungewöhnlich starke Monsunregen im südasiatischen Pakistan an. Er setzte etwa ein Viertel der Landesfläche unter Wasser und verursachte fast 1.400 Todesfälle. Dies ist aber erst der Beginn ... 

Wenn die Erderwärmung nicht gestoppt oder wenigstens massiv verringert wird, drohen noch ganz andere Todeszahlen. Es könnte zu gewaltigen Migrationsbewegungen und sogar zu kriegerischen Auseinandersetzungen mit Klimaflüchtlingen kommen, die ihre unbewohnbar gewordene Heimat verlassen und woanders sicheren Lebensraum finden müssen. Vorsichtigen Abschätzungen zufolge könnten dies bis 2050 schon über 200 Millionen Menschen sein. Eine weitere Folge: Der Hunger in der Welt wird weiter zunehmen. Zur Erinnerung: Schon im Frühsommer 2022 litten nach einer Schätzung der Welthungerhilfe WHO über 800 Millionen Menschen an Hunger, unter anderem auch wegen des Kriegs in der Ukraine.  

 

An unsere Enkel denken: was wir heute im Überfluss verbrauchen, wird in Zukunft fehlen

Rechtzeitige und weltweit abgestimmte Maßnahmen zur Vermeidung einer echten Klimakatastrophe  sind deshalb die weitaus besseren und aus meiner Sicht die einzig denkbaren Alternativen, auch wenn sie für die Menschheit - leider - drakonisch ausfallen müssen. Denn nur ein bisschen langsamer und etwas weniger Autofahren, nur ab und zu einen Urlaubsflug weniger, nur die Anschaffung eines E-Autos anstelle eines Verbrenners, nur etwas weniger Fleischnahrung, nur eine bessere Häuserisolierung, nur mehr Photovoltaikanlagen auf den Dächern und nur mehr Windkraftanlagen im Land und auf See wird nicht ausreichen – vielmehr muss vieles gleichzeitig passieren (siehe Kapitel 13). Ein noch so starker Ausbau von Wind- und Solaranlagen (zumindest in Deutschland) reicht auch nicht aus, weil bei Windstille bzw. im Winter nicht genügend Strom erzeugt wird, also nach wie vor zusätzliche klimaschädliche Backup-Gaskraftwerke benötigt werden. Erdgas, egal ob gasförmig oder flüssig, ist alles andere als ein umweltfreundlicher Energieträger. Bei seiner Verbrennung entstehen im Vergleich zur Erdölverbrennung bestenfalls 20 % weniger Kohlendioxid,  vor allem wird stark klimaschädliches Methan freigesetzt, das den Treibhauseffekt und damit die Erderwärmung verstärkt. Dazu kommt, dass Methan nicht erst bei  der Verbrennung von Erdgas in die Luft gelangt, sondern schon bei der Herstellung, dem Transport und der Lagerung vor Ort. Ein möglichst schneller Umstieg auf grünen Wasserstoff ist deshalb für mich unerlässlich, auch wenn er wegen der derzeitigen geringen Produktionsmenge noch relativ teuer und seine Herstellung noch sehr energieaufwändig ist.

 

Ich baue darauf, dass Menschen im Kollegen-, Bekannten- und Freundeskreis die Erderwärmung künftig öfters in den Mittelpunkt ihrer Gespräche stellen. Ich wünsche mir, dass Eltern und Großeltern, auch wenn sie - wie ich selbst - die Auswirkungen der Klimakrise aus Altersgründen nicht mehr selbst erleben werden, das erworbene Wissen in ihren Worten an ihre Kinder und Enkel weitergeben (siehe  Startseite). Ich wünsche mir auch, dass Lehrer und Dozenten www.klimawandel-report.com und andere ähnliche Websiten für ihren Unterricht und Vorlesungen nutzen. Die Bevölkerung muss bei künftigen Wahlen besser darauf achten, dass ihren Volksvertretern der Klimaschutz ein echtes Anliegen ist. Bloße Alibi-Aussagen durch Politiker sind häufig, leider aber nicht hilfreich. Es wäre außerdem Zeit, ein eigenes Unterrichts- bzw. Studienfach „Klimawandel“ an den Schulen und Universitäten zu etablieren. Nur dann kann bei den kommenden Generationen frühzeitig ein solides Klimabewusstsein und ein Verständnis für die Maßnahmen zum Klimaschutz entstehen. 

 

Fazit 

Eines ist klar: Einen weiteren Anstieg der Temperaturen wird die Erde als einziger bewohnter Planet unseres Sonnensystems überstehen, was sie in ihrer frühen Geschichte bereits wiederholt bewiesen hat (siehe Kapitel 5). Doch heute geht es darum, abzuschätzen, wie schwerwiegend die Langzeit-Auswirkungen auf die Menschheit und auf die Natur auf unserem massiv übervölkerten Planeten sein werden. Solange die Erde nur mäßig besiedelt und ohne Industrie war, hatte umweltwidriges Verhalten keine spürbaren Auswirkungen. Heute, bei acht Milliarden Menschen mit zunehmender Tendenz, globaler Industrialisierung, intensiver Energie- und Landwirtschaft und unserer Art zu leben und unsere Freizeit zu verbringen, gilt dies nicht mehr. Gefragt sind vielmehr Genügsamkeit und ein Abschied vom ständigen Wachstumsstreben von Gesellschaft, Industrie und Handel - und zwar weltweit. Handeln wir unseren Kindern und Enkeln zuliebe! Allerdings darf bis zum tatsächlichen Umsetzen wirksamer Maßnahmen durch die Weltengemeinschaft keine Zeit mehr verstreichen. 

 

Leider wird uns Menschen durch die seit mehreren Jahren anhaltende Mehrfachkrise sehr viel zugemutet - fortschreitender Artenschwund, Arbeitslosigkeit, Wohnungsknappheit, Inflations- und Zukunftsängste, finanzielle Sorgen vor allem im Alter, Hungerkrisen in vielen Ländern, umstrittene Corona-Politik, ins Stocken geratene Globalisierung, Lieferketten-Unterbrechungen, brutale Kriege in der Ukraine und seit Herbst 2023 im Gaza-Streifen, kriegerische Auseinandersetzungen in anderen Teilen der Welt. Nicht wenige von uns geraten dadurch von einem Erschöpfungszustand in den nächsten - oder werden zum Selbstschutz einfach gleichgültig.

So hart es sich anhört, die Klimafrage tangiert uns vor sämtlichen weltweiten Krisen noch am meisten. Denn sie kann zur Überlebensfrage der Menschheit werden.

 

 

Horst Köhler, Friedberg

 

Online am 25. April 2022; erfolgte Aktualisierungen am: 10.9.2022, 28.10.2022, 20.11.2022, 1.2.2023, 22.3.2023, 24.4.2023, 15.6.2023, 10.8.2023, 20.10.2023, 23.11.2023, 14.12.2023, 16.3.2024, 15.7.2024, 10.9.2024, 13.11.2024, 24.1.2025, 25.3.2025, 30.7.2025, 19.8.2025, 1.12.2025

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